Ein langer Weg nach Paris

Der Krieg ist vorbei, der junge Soldat Rudolf Noelte kehrt zurück und versucht sich als Schauspieler, bevor er nach dem Stück greift, das seine Erfahrungen formuliert: Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama «Draußen vor der Tür». Es ist seine erste Inszenierung, 1948, und der Beginn einer langen Karriere ...

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Rudolf Noelte kam aus dem Krieg. Er war früh zurück in Berlin und fand sich im heißen Sommer 1945 in einer zertrümmerten Gegenwart. Vierundzwanzig Jahre war er alt. Bisher Nachrichtentruppe, Leutnant zuletzt, nun berufslos. Er stand vor einer dunklen Zukunft – draußen vor der Tür. Vier Jahre im Krieg: Das gab tiefe Prägungen. Menschenschreckenserlebnisse. Den Jahrgang 1921 hatte es schwer erwischt. Er war davongekommen. Er wurde ein sehr ernster Mensch. Empfindsam, mit verdeckter Scheu, aber mit einem starken Willen zu sich selbst.

 

Der Heimkehrer Noelte ging damals durch die ruinierten Straßen gewiss auch vor das ausgebrannte Theater am Gendarmenmarkt. Das einstige Staatliche Schauspielhaus lag da wie ein Schloss, unzugänglich, schwarz. Ein Haus voller Geschichte; nun dem Theater verschlossen – für immer. Noelte hatte Erinnerungen an das Haus. 1939, als alles begann, war er nicht wie die vielen Schulflüchtlinge freiwillig ins Abenteuer des Krieges gestürzt, war nicht bei denen, die stolz Heldenspieler im voraus und bald Todesmaterial waren. Er konnte noch einen Grund in sich legen: Der Student der Literatur-, Theater- und Kunstwissenschaft an der Friedrich-Wilhelm-Universität in ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 26
von Günther Rühle

Vergriffen
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