Siegellack Kafka
Kann man Äpfel mit Birnen vergleichen? Natürlich kann man. In beiden Fällen handelt es sich um Früchte, die aus Schale, Fruchtfleisch und einem Gehäuse bestehen. Wie aber steht es um Nazi-Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika nach den Anschlägen des 11. September? Ist auch hier eine sinnvolle Vergleichsbasis, ein tertium comparationis gegeben?
Talbot Finch meint: Durchaus. Talbot ist der Protagonist eines Dramas von Stephen Sewell, das den wunderbaren Titel trägt: «Mythos, Propaganda und Katastrophe in Nazi-Deutschland und im heutigen Amerika».
Talbot, ein in den USA lehrender Politologe australischer Herkunft, hat ein Buch geschrieben – «eine vergleichende Untersuchung» –, dessen Titel mit dem des Stücks identisch ist (ein nicht zu übersehender Fingerzeig) und dessen zentrale These etwa folgendermaßen lautet: Nach dem 11. September sind die USA unter George W. Bush im Begriff, sich in einen autoritären Staat zu verwandeln, der Andersdenkende einschüchtert und bedroht und dessen repressive Strukturen denen einer Diktatur im Stil des NS-Staats nicht unähnlich sind.
Der australische Professor muss viel auf die Großzügigkeit und Duldsamkeit der amerikanischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
1. Klasse
Die Wege des Herrn sind unergründlich: Nachdem Bundespräsident Köhler noch kürzlich gegen das Regietheater gewettert hatte («Ein ganzer ‹Tell›, ein ganzer ‹Don Carlos›, das ist doch was!»), erhielt nun in seinem Auftrag der langjährige Direktor und Alleingesellschafter der Berliner Schaubühne, Jürgen Schitthelm, das Verdienstkreuz 1. Klasse des...
Der gewöhnliche Mensch spielt in seinem Leben nur eine Handvoll Rollen. Eine im Beruf, eine für das begehrte Geschlecht, für die Eltern und Verwandten eine andere als für die Kinder, und manche Menschen haben noch eine extra Rolle parat unter der Überschrift «Geheime Leidenschaft» (Autofahren, Lyrik, Swingerclub oder Schalke 04 zum Beispiel). Bei dieser...
André Jung ist Thorsten Fechner. In zweiter Linie. In erster Linie ist André Jung natürlich Harpagnon, der Geizige von Molière, aber dieser Jungsche Geizige kommt nun in all seinen geldgierigen und triebunterdrückten Äußerungen exakt genau so daher wie der ebenfalls äußerst geizige Thorsten Fechner aus der ARD-Daily-Soap «Marienhof». Außerdem ist «Marienhof» die...
