Ein Kuscheltier gegen die Welt

Die Mülheimer Stücke 2026 handeln vom Gestern im Heute, von Ausgrenzung, Anpassung und den Fragen, in welcher Richtung der Fortschritt zu suchen ist

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Neue Stücke? Zeitgenössische Dramatik? Was heißt heute «von heute»? Avishai Milstein beantwortet die Frage mit einem Zeithorizont von mehr als 100 Jahren. Sein «Play Auerbach!», ein Auftragswerk der Münchner Kammerspiele, spielt 2045 und blickt zurück auf die unmittelbare Nachkriegszeit einschließlich der zwölf verbrecherischen Jahre davor. Die Titelfigur Philipp Auerbach, der erste und letzte bayerische «Staatskommissar für rassisch, religiös und politische Verfolgte» in München, ist heute gründlich vergessen. Selbst Auschwitz-Überlebender, sollte er sich um über 300.

000 «displaced persons» kümmern, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in München sammelten, größtenteils Überlebende der Konzentrationslager, die vor den anrückenden russischen Truppen und Pogromen in ihrer osteuropäischen Heimat geflüchtet waren. Der so unkonventionelle wie effektive Auerbach geriet allerdings bald zwischen die Fronten der Nazi-Verdränger und Wiederaufbau-Bürokraten, wurde in einer Justizfarce von ehemaligen NS-Richtern wegen Betrugs verurteilt und beging 1952 Selbstmord.

Sein eigentliches Ziel blieb unerreicht: Die zumindest ökonomische Wiedergutmachung und Integration der Überlebenden und der Täter ...

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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Best of, Seite 42
von Franz Wille

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