Ein europäisches Fiasko
Auf meinen Auslandsreisen sehen mir die Leute häufig fragend in die Augen: Was treibt ihr dort eigentlich in Ungarn? OhneZweifel scheint Ungarn in den letzten Jahren einfach unfähig zu sein, demokratisch zu funktionieren. Alle Gebiete des Lebens, die man bislang für unabhängig und frei hielt, werden von der Politik entschieden, und auf fürchterliche Weise werden Menschenrechte eingeschränkt.
Als allerdings im letzten Monat gegen den Beschluss eines Fachgremiums auf der Basis einer lächerlich niveaulosen Bewerbungzur Leitung des Új Színház (Neues Theater) der rechtsradikale Schauspieler György Dörner und der für seine antisemitischen Äußerungen bekannte Dramenautor István Csurka (auch Präsident der rechtsradikalen MIÉP Partei) ernannt wurden, war das eine Entscheidung, die nicht länger unkommentiert bleiben darf. Nicht nur, weil dahinter eindeutig ein politischer Wille steht, sondern auch, weil uns diese Tat auf den drohenden Abgrund aufmerksam macht, der sich zwischenuns und Europa auftut. Also: Was treiben wir hier eigentlich?
Die politischen Machtmanöver dieser Ernennung wie auch die Ausrichtung einer ganzen Reihe von Kulturinstitutionen nach politischen Fahnen, das alles ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: FOYER, Seite 1
von Kornél Mundruczó
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen...
Nachdem er erst poststrukturalistisch, dann systemtheoretisch und schließlich managementphilosophisch ausgeholt hat, geht Michael Börgerding aufs Ganze: «Ich gehe davon aus, dass wir das alle wollen: glücklich sein am Theater, Glück möglich machen im Theater, das Glück suchen im Theater.» Dreimal Glück und Theater!Der langjährige Hamburger Chefdramaturg,...
