Leise klimpernde Schläfrigkeit
Die Stadt haben die Schwestern sich als luftige Sehnsuchts-Skyline ganz oben ins Kinderzimmer gehängt, das Landleben läuft als stummes Baumrauschen auf dem Flachbildschirm, obwohl man es vor der Tür doch gefühlsintensiver hätte. Wie Aufziehpuppen hasten die Bewohner durch ihr Gut, das Theun Mosk im Schauspielhaus
Bochum über vier Etagen als pittoreskes Setzkastensystem angelegt hat: alles Einzelzellen.
Denn hier wird ja auch nicht miteinander, sondern über- und durcheinander geredet, verstehen kann man ohnehin oft nichts wegen des Musikteppichs von Paul Koeks Veenfabriek aus Leiden.
Schon im zweiten Jahr hat Intendant Anselm Weber dem niederländischen Regisseur und Musiker die Eröffnung der Spielzeit überlassen, der bekannt dafür wurde, stets dem musikalischen Fluss der literarischen Werke zu gehorchen. An der Seite sitzen drei Musikerinnen wie ältere Ausgaben der drei Schwestern und spielen Cello, Flöten, Tasteninstrumente oder Porzellangeschirr nach Motiven von Morton Feldmann, der Backgroundchor steigt mit den Darstellern die Treppen auf und ab. Was zuerst wie lästige Hintergrundmusik wirkt, verwandelt sich in einen sehnsüchtig-flirrenden Grundton, der sich schwebend um die ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: Schauspielhaus Bochum, Seite 45
von Dorothea Marcus
Auf meinen Auslandsreisen sehen mir die Leute häufig fragend in die Augen: Was treibt ihr dort eigentlich in Ungarn? OhneZweifel scheint Ungarn in den letzten Jahren einfach unfähig zu sein, demokratisch zu funktionieren. Alle Gebiete des Lebens, die man bislang für unabhängig und frei hielt, werden von der Politik entschieden, und auf fürchterliche Weise werden...
Daniel Kehlmann betrat die Theaterszene über die Showtreppe: Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2009 hielt der Wiener Romancier eine Brandrede gegen das «Regietheater» – und wurde von Schauspielchef Thomas Oberender umgehend mit einem Stückauftrag bedacht. Weil Kehlmanns dramatisches Debüt nicht rechtzeitig fertig wurde, fand die Uraufführung dann aber doch...
Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebastian Nübling Lust...
