Ein Amerikaner im Abseits
Seine Kreditkarten waren schon so gut wie ausgereizt, als Ayad Akhtar vor ein paar Jahren auf der Rückfahrt nach New York die Zylinderkopfdichtung durchbrannte. Und ihn zu einem Stopp in einem Provinzkaff namens Scranton zwang, wo er den subtilen Rassismus weißer Amerikaner zu spüren bekam, die ihn in Gestalt eines örtlichen Polizisten und dessen befreundetem Werkstattbesitzer übel abgekocht haben. Die Details kann man sich sparen, aber es kostete ihn 2500 Dollar, die er nicht besaß, um nach zwei Tagen endlich wegfahren zu können.
Danach war für den Schriftsteller Akhtar alles anders, denn auf der Weiterfahrt hörte er in sich «das leise Murmeln einer kargen, klaren Wahrheit»: «Ich würde aufhören, so zu tun, als fühlte ich mich als Amerikaner.» Sprich: Er würde nicht länger so tun, «als hätte er kein Problem mit seinem Platz in Amerika».
«Homeland Elegien» ist ein schwer durchschaubares Stück Autofiktion: die letzten über 20 Jahre im Leben des Autors, und doch ein Roman. So nah an der authentischen Biografie, dass sich der Autor selbst in Interviews mit dem Erzähler verwechselt, und doch immer mit einem Rest fiktionaler Unschärfe. Fest steht allerdings: Ayad Akhtar ist Amerikaner ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 45
von Franz Wille
Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».
Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter...
Der Ende Oktober im Alter von 81 Jahren verstorbene Grafiker, Maler und Bühnenbildner war ein bildender Künstler mit literarischen Gelüsten zum Theater. Dessen Zentrum oder Herz, wie er es ausdrückte, war für ihn der Schauspieler. Zum Verständnis dieses Gedankens, meinte er, sei keine Definition der Kunst des Schauspielers nötig, «sondern es genügt die vulgäre...
Der Ärger ist groß, die Einsicht noch größer. Wer sich umhört unter den Leiter*innen von Stadttheatern und Produktionshäusern, vernimmt schweres Zähneknirschen über den unerwarteten zweiten Lockdown der Bühnen. Viele fühlen ihre Häuser ungerecht behandelt. Schließlich habe man funktionierende Hygienekonzepte vor und hinter der Bühne erarbeitet, die peinlichst...
