Düsseldorf: Netzkritik für Dummies
Er gilt als Dramatiker, der gern aktuelle politische Fragen anpackt. Philipp Löhle, Jahrgang 1978, hat in «Das Ding» 2011 über globale Warenströme geschrieben, in «Feuerschlange» 2016 über die deutsche Waffenindustrie, in «Du, Normen» und «Du, Norma» 2013 und 2016 über geschlechtsspezifische Sozialisation.
Die aktuelle Frage, die einen beim Besuch seiner neuesten Uraufführung «Die Mitwisser» in Düsseldorf bewegt, ist allerdings: Für wie blöd hält Löhle eigentlich sein Publikum?
«Die Mitwisser» soll in Komödienform die Überwachung und Beeinflussung durch Smartphones, «Alexa», Facebook, Google und Co. verhandeln. All diese Tools sind daher in einer einzigen Figur personifiziert: dem kostenlosen Wunscherfüller und Big-Data-Butler Herrn Kwant, diensteifrig und wertneutral gespielt von Florian Lange mit Schnittlauchfrisur. Hauptfigur Theo (Sebastian Tessenow), ein early adopter, hat die Künstliche Intelligenz in naiver Begeisterung ins Haus geholt hat. «Der macht das umsonst?» fragt Tanja Schleiff als dessen Gattin, die Floristin Anna ungläubig. Drauf Theo: «Ja, es ist fantastisch!» Und sie so: «Wie soll das gehen?» Er so: «Keine Ahnung» Sie: «Niemand macht irgendwas umsonst». ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Cornelia Fiedler
Regieren kommt von Gier. Da hat der Herzog Vincentio erstens recht und zweitens den wunden Punkt so ziemlich aller Staatssysteme getroffen, die vor und nach William Shakespeare denkbar waren. Nur Vincentio selbst, dem ist die ewige Volksbeherrscherei lästig. Auch scheint das Gros der Untertanen seinen Stil, das Laissez-faire, kaum noch zu schätzen. Also verordnet...
I was so furious, I didn’t fall asleep», sagt die Frau hinter mir am Schluss der Show: Ich war so zornig, dass ich nicht einschlafen konnte. Natürlich ist es anders gemeint, dennoch klingt es – wie ein Kompliment. Wo etwas zu ärgerlich zum Einschlafen ist, da ist etwas passiert. Anselm Weber, seit Beginn dieser Spielzeit Intendant des Schauspiel Frankfurt, und...
Jeder für sich hat seine Eigenheiten, aber alle zusammen sind sie eine wirklich herzwärmende Urhorde: neun Menschlein, nackt und schamfrei in ausgepolsterten Bodysuits mit dicken Bäuchen, hängenden Brüsten, kleinen Schrumpelpimmeln, schwabbelnden Fettpolstern, wie sie mit leicht eckigen Bewegungen, dabei recht gelenkig durch ihre Familienhöhle turnen. Sie sprechen...
