Freie Szene: Ende des Hypes
Der Hype ist vorbei, zumindest in Leipzig. Zwei Jahre lang haben das Theaterkollektiv copy & waste und das Schauspiel sich im Rahmen einer Doppelpassförderung durch die Kulturstiftung des Bundes in «Ceci n’est pas un HYPE!» mit Hypezig, dem besseren Berlin und all den anderen Etiketten beschäftigt, die der zweitgrößten Stadt in Ostdeutschland von innen und außen angehängt wurden. Die drei Performances näherten sich in unterschiedlichen Genres den zahlreichen diskursiven Bewegungen an – und haben sie dabei gleichzeitig konkretisiert und künstlerisch verfremdet.
Startpunkt der Hype-Reihe war im letzten April mit «Kampf Klub Ost» ein Audiowalk durch den Leipziger Osten, der Begegnungen mit Orten mit einem fiktiven Roman einer DDR-Autorin verknüpfte. So bewegte sich das Team nicht nur auf den ausgetretenen Pfaden der Leipziger Künstlerin Diana Wesser, die in ihren performativen Stadtteilinterventionen diesen Kiez schon seit Jahren bearbeitet, sondern legte eine eigene Bedeutungsebene über die Menschen und Räume. Allerdings verliefen diese Interventionen nicht ganz konfliktfrei. Ein großer Supermarkt verhängte nach den ersten beiden Durchgängen Hausverbot, weil die Interventionen in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Torben Ibs
Der deutsche Mann? «Fürs Bedienen zu groß, fürs Herrschen zu klein»: So fasst Bartos (Samuel Finzi), der frischeingestellte «Sklave» im Haushalt des Schönheitschirurgen Claus Müller-Todt, das Mittelmaß seines Arbeitgebers zusammen. Der verfügt in Gestalt von Oliver Masucci zwar über einen markanten Cäsarenschädel, ein dickes Auto, eine schicke modernistische...
Die sogenannten Reichsbürger, verrannt in eine abstruse Parallelrealität, die ihre proklamierte Staatenlosigkeit mit Waffengewalt verteidigen, tragen jene Züge von Maßlosigkeit, Narzissmus, Größenwahn, der großen Theaterfiguren innewohnt. Konstantin Küspert und Ko-Autorin Annalena Küspert mussten nicht weit suchen, um Stoff für ihre Auftragsarbeit zu generieren:...
Irrsinn» schreibt er im Mail-Austausch, mit dem wir versuchen, eine Verabredung zu treffen. «Irrsinn» – das ist André Kaczmarczyks «Wahnsinn», wie ihn Botho Strauß’ Lotte Kotte (natürlich im Tonfall der Edith Clever) in der Begegnung mit sich und der Welt ausrief. Ist bei ihm Synonym für die Euphorie, das Limit zu überschreiten, für die Beschreibung seines...
