Kino: Das deutsche Wesen
Der deutsche Mann? «Fürs Bedienen zu groß, fürs Herrschen zu klein»: So fasst Bartos (Samuel Finzi), der frischeingestellte «Sklave» im Haushalt des Schönheitschirurgen Claus Müller-Todt, das Mittelmaß seines Arbeitgebers zusammen. Der verfügt in Gestalt von Oliver Masucci zwar über einen markanten Cäsarenschädel, ein dickes Auto, eine schicke modernistische Villa, ist aber, nicht nur durch die mäßigende Wirkung von Gattin Evi (Katja Riemann), sichtlich gehemmt, dem Herrscher in sich den gebührenden Raum zu gewähren.
Das wird sich ändern: Der bulgarische Bankrotteur Bartos, der nur für Kost und Logis arbeitet, weil Vertrauen ja so viel mehr wert ist als Geld, wird das Tier im zivilisierten Parvenu mit dem breiten Rheinisch auf der Zunge wieder hervorkitzeln, bis die Säge kreischt. Samuel Finzi stattet ihn mit der perfekt dosierten Sklavenmischung aus Distanz und dezenter Schleimerei aus, Ehefrau Lana (Lize Feryn) bringt sehr lange Beine mit ins Spiel und die Sauna der Herrschaften. Unterstützt wird ihre Mission vom zweiten Zugereisten, Ölscheich Mohammed (Yasin el Harrouk) in der bombastischen Nachbarvilla, dessen römisch dekadente Partyorgien nur der Beginn sind einer Reise zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Sein Schwiegersohn Paul Lafargue beschrieb das Londoner Arbeitszimmer von Karl Marx als eine etwas chaotische Gelehrtenklause: Von Kamin und Fenster abgesehen, war jeder Zentimeter bedeckt von Regalen, «die mit Büchern gefüllt und bis zur Decke mit Zeitungspaketen und Manuskripten überladen waren». Selbst die Tische waren «voll mit Papieren, Büchern und Zeitungen»,...
Ihr erreicht nichts, weil Ihr Euch gar nicht anstrengt», beschimpft Angélica Liddell das Publikum. «Selbstzufrieden macht Ihr andere verantwortlich für Eeure Unzulänglichkeit, Euer Scheitern. Mittelklasse der Schande und des Neids, sparsam, fleißig und familienorientiert. Ehrliche Leute ... je vorbildlicher Euer Leben ist, desto verdorbener werdet Ihr durch...
Der einzige Ausweg der Männer ist der Weg der Bande», heißt es einmal in August Strindbergs «Der Vater». Eine solche Männerbande stapft auch durch Nicolas Stemanns Inszenierung des Dramas: sieben Kerle mit prächtigen Vollbärten und Holzfällerhemden, die volltönend launiges Liedgut anstimmen wie «Ein Prosit der Gemütlichkeit» und «Olé, wir fahrn in Puff nach...
