Du kleine Taco
Bei diesen Followerzahlen müssen die Synapsen der Projektverantwortlichen vor Entzücken getanzt haben: Die sogenannte Amtsfluencerin Tülin Sezgin bringt 326.000 an den Start, der schwule Comedian Nico Stank eine gute halbe Million, der Schauspieler und Influencer Tom Böttcher fast das Doppelte. Auch die Jungtalente Ana Lucia, Florentine Osche und Fred Costea haben auf Insta je an die 100.000 Fans um sich versammelt, das ist, zum Vergleich, mehr als der Branchenführer Schaubühne (89.000 Follower) und fast das Dreifache des Deutschen Theaters Berlin (39.000).
Die Profile der erfreulich diversen Come -dians, die auch in einschlägigen TV-Shows und -Formaten zugange sind und mit eigenen Solos touren, zeigen, worüber das digitale Deutschland lacht: in erster Linie die gute alte Beziehungskiste und das unerschöpfliche Dating-Universum. Aber auch Wokeness versus toxische Männlichkeit (gerade die Comediennes mit Migrationshintergrund sind oft feministisch auf Zack), sexuelle Schlüpfrigkeiten, Jugendsprache, Kartoffel-Bürokratie und Friedrich Merz. Eine etwas bizarrere Spielwiese ist die, nun ja, Dekonstruktion populärer Kinderbuchstoffe: Tom Boettcher etwa imitiert perfekt eine Marionette ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Eva Behrendt
Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der...
Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh....
Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft,...
