Überwachung und Strafe
Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele gleich doppelt: Hier spielt Wiebke Puls den Teufel Woland – oder sollte man sagen die Teufelin? –, der im mystischen Moskau der 1930er Jahre die Strippen zieht.
Mit androgyner Nonchalance, die Haare zurückgegelt zum lässigen Nadelstreifen-Gangsterlook bietet sie den Handlangern eines perfiden Staatsapparats Paroli und stiftet im Namen der Menschheit und der Kunst heilsame Verwirrung, denn, so verkündet sie mütterlich: «Gott lässt euch im Stich hier unten. Ich bin Humanist. Ich habe die Menschen nie zurückgewiesen, obwohl sie so viele Schwächen und Fehler haben.»
Bereits zum dritten Mal nach «Die Vaterlosen» (2023) und «Mephisto» (2025), beide eingeladen zum Berliner Theatertreffen, arbeitet Jette Steckel mit ähnlichem Cast an den Münchner Kammerspielen und wie schon bei «Mephisto» wieder an einem ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Silvia Stammen
et in arcadia ego
0. der traum
du wachst auf in der nacht weißt nicht genau warum das kind denkst du hat es geschrien du versuchst die traumreste von der wirklichkeit zu ziehen wie klebrige schutzfolie hast du das geträumt oder hat es geweint du schaust auf die uhr es ist 0252 besser nachschauen denkst du dir better safe than sorry der hund hat nichts gesagt müsste...
Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh....
Zwei Ertrinkende, die sich aneinander klammern: Alexandra (Katharina Linder) und Chance (Arash Nayebbandi). Sie, die gealterte Filmikone, die ihre Angst vor Bedeutungsverlust mit Alkohol und Sex zu betäuben sucht, er, ein Hallodri und gut aussehender Taugenichts. Zu Beginn von Max Lindemanns Inszenierung von Tennessee Williams’ Klassiker «Süßer Vogel Jugend» von...
