Überwachung und Strafe

In München stehen mit Bulgakows «Meister und Margarita» (Münchner Kammerspiele), Federica Garcia Lorcas «Bernarda Albas Haus» und Peter Weiss’ «Marat/Sade» (Residenztheater) drei männliche Weltentwürfe auf den Bühnen der Stadt, die Regie ist aber fest in weiblicher Hand

Theater heute - Logo

Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele gleich doppelt: Hier spielt Wiebke Puls den Teufel Woland – oder sollte man sagen die Teufelin? –, der im mystischen Moskau der 1930er Jahre die Strippen zieht.

Mit androgyner Nonchalance, die Haare zurückgegelt zum lässigen Nadelstreifen-Gangsterlook bietet sie den Handlangern eines perfiden Staatsapparats Paroli und stiftet im Namen der Menschheit und der Kunst heilsame Verwirrung, denn, so verkündet sie mütterlich: «Gott lässt euch im Stich hier unten. Ich bin Humanist. Ich habe die Menschen nie zurückgewiesen, obwohl sie so viele Schwächen und Fehler haben.»

Bereits zum dritten Mal nach «Die Vaterlosen» (2023) und «Mephisto» (2025), beide eingeladen zum Berliner Theatertreffen, arbeitet Jette Steckel mit ähnlichem Cast an den Münchner Kammerspielen und wie schon bei «Mephisto» wieder an einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Kleine Gaukelei

Einmal, da zieht sich Harpagon mit seinem Sohn in die Luxuslimousine zurück, die den auf die Bühne gebauten Autosalon dominiert, und erinnert sich an seine Kindheit: wie sein Vater früher mit der Familie in den Italienurlaub kurvte, den halben Verkehr niederpöbelte und hin und wieder dem Sohn das Knie tätschelte. Und er, der Knabe, konnte sich gerade noch...

Pläne der Redaktion/Impressum 5/26

Die Festivalsaison startet: mit FIND an der Berliner Schaubühne und dem Heidelberger Stückemarkt, unter anderem mit der Uraufführung des letztjährigen Siegerstücks, Yannik Han Biao Federers «Asiawochen»: der Stückabdruck

Theater der Welt erscheint nur alle drei Jahre auf dem Festivalkalender, diesmal in Chemnitz, und es wird programmiert von neun internationalen...

Hip-Hop aus der Lichtstadt

«Zwischen den Zeilen bleibt ein Gefühl, egal was wir machen, wir scheitern», rappt der Hip-Hopper Sorbas dem Jenaer Publikum mit kräftigen Beats ins Gesicht. Hinter ihm flackern Bilder von Protesten und Gewalt, Bilder von behelmten Polizist:innen und Steine werfenden Demonstrierenden. Die drei Leinwände können durch aufgetragene Rechtecke auch als Hochhäuser...