Überwachung und Strafe
Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele gleich doppelt: Hier spielt Wiebke Puls den Teufel Woland – oder sollte man sagen die Teufelin? –, der im mystischen Moskau der 1930er Jahre die Strippen zieht.
Mit androgyner Nonchalance, die Haare zurückgegelt zum lässigen Nadelstreifen-Gangsterlook bietet sie den Handlangern eines perfiden Staatsapparats Paroli und stiftet im Namen der Menschheit und der Kunst heilsame Verwirrung, denn, so verkündet sie mütterlich: «Gott lässt euch im Stich hier unten. Ich bin Humanist. Ich habe die Menschen nie zurückgewiesen, obwohl sie so viele Schwächen und Fehler haben.»
Bereits zum dritten Mal nach «Die Vaterlosen» (2023) und «Mephisto» (2025), beide eingeladen zum Berliner Theatertreffen, arbeitet Jette Steckel mit ähnlichem Cast an den Münchner Kammerspielen und wie schon bei «Mephisto» wieder an einem ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Silvia Stammen
Leben im Transitbereich: Teenager Margarita wohnt eigentlich in Berlin, ihr Vater Avi arbeitet dort als Chasan, als Vorbeter in einer Synagoge. Die Sommerferien verbringt Margarita regelmäßig bei den Großeltern in Chicago, nur dieses Jahr ist etwas anders: Das Mädchen soll nach Israel, die Mutter kennenlernen, die vor Jahren die Familie verließ, weil sie das Leben...
Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft,...
Anfangen ist so schwierig. Das erste Mal auf die Bühne zu gehen, sich in einen meist provisorisch hergerichteten Raum zu stellen, das Regieteam, das einen erwartungsvoll anlächelt, zu spüren, und gleichzeitig dem Text, der eigenen Figur, der Situation, all den Menschen um einen herum zu begegnen, um dann etwas zu machen, was man «eine Szene spielen» nennt.
Wie soll...
