Dresden: Wenn der Wäscheberg ruft
Die koitalen Bedingungen sind ausgesucht schlecht für Yerma und ihren Gatten Juan am Staatsschauspiel Dresden. Die Länge des Esstisches, an dem die Ehepartner – jeder an einer Stirnseite – ihre mühselige Beziehungsarbeit verrichten, liegt im gefühlten Kilometerbereich. Und selbst, wenn Deleila Piaskos Yerma in ihrem weißen Hängerchen doch mal einen Überbrückungsversuch unternimmt, indem sie aufs Möbel steigt und sich tabledancebeinschwingend aufs schwarz gekleidete Gatten-Objekt zubewegt, bleibt die Lage aussichtslos.
Wie widerwillig er seine Ehepflichten vollzieht, demonstriert Simon Werdelis’ Juan in Andreas Kriegenburgs Inszenierung nicht nur mittels maximal monotoner Hüftbereichschoreografie. Sondern er schaut, damit hier nicht etwa komplexitätssteigernde Missverständnisse aufkommen, auch dezidiert an der Sexualpartnerin vorbei ins Publikum.
Wo schon Federico Garcia Lorcas 84 Jahre alte Kinderwunschtragödie «Yerma» nicht direkt vor Interpretationsoffenheit strotzt, wirkt Kriegenburgs Bebilderung zusätzlich plättend. Und lässt den Text, in dem die Protagonistin wegen ihrer ausbleibenden Schwangerschaft unter sozialen wie mentalen Extremdruck gerät, während ihr Mann sich ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Christine Wahl
Das Denken muss kalt sein, sonst wird es familiär.» Schreibt Friedrich Nietzsche. Einar Schleef, der dessen «Ecce Homo»-Monolog in Form und mit sich selbst als brillantem Rhetor auf die Bühne brachte, war im Denken kalt und im Fühlen hochentzündlich. Provokation lag bei Schleef höchstens in seinem Willen, mit dem ein Unzeitgemäßer – und auch Wagnerianer – Rituale...
Der Ast, der im Foyer des Theatermuseums von der Decke hängt, erinnert an die unkonventionelle Todesart, die den ungarisch-österreichischen Schriftsteller Ödön von Horváth am 1. Juni 1938 in Paris ereilte: Er wurde auf den Champs-Élysées von einem herabfallenden Ast erschlagen. Das hat den Ast so berühmt gemacht, dass er sogar in Josef Haders Kabarettprogramm...
Man wünscht sich Kategorien, wenn man über Künstler spricht. Man möchte sagen können: Der macht Musiktheater, performt, macht Aktionskunst. Man möchte sagen können: Der ist ein Mann, die ist eine Frau. Man möchte den Künstler irgendwie fassen. Und der erste große Stein, den einem Tucké Royale in den Weg legt, wenn man versucht, etwas über seine Kunst zu sagen, ist,...
