Bochum: Abschiedssause
Tatsächlich: Bochum ist Krähwinkel. Da macht man Revolution und endet in sentimentaler Reaktion. Warum man Nestroys «Posse mit Gesang», die so herrlich nach allen Seiten austeilt, Revolutionäre und Reaktionäre gleichermaßen verspottet, aus dem kurzfristig revolutionierten Wien von 1848 nach Bochum verschleppt hat, ergibt sich auch aus dem ersten Teil des Titels. Um die Freiheit geht es, aber nicht um die Freiheit der Bürger, sondern um die Freiheit der Schauspieler.
Zunächst scheint es sich noch um die Karikatur einer Kleinstadtrevolution zu handeln.
Dumpfe Biederbürger stehen mit Jakobinermützen und Maßkrügen Schlange vor der Bierbude. Ihr Kampf für soziale Gleichheit erschöpft sich im stummen Gerangel um die Rangfolge in der Reihe. Doch dann tanzt Ultra herein. Der radikale Journalist ist hier eine Frau (Kristina Peters) in roten Hosen. Und die nutzt die Nestroysche Lizenz zum Extemporieren weidlich: «Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Schauspieler auf die Dauer verblöden? Woher kommt das? Und wer ist schuld am Theatersterben: die Regisseure.»
Geknechtet waren sie, die armen Schauspieler, ab Juli sind sie frei. Denn dann endet die Interimsspielzeit, geleitet von ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Gerhard Preußer
Am Anfang war der Schaumstoff. Acht Köpfe – große, kleine, eckige, breite, zerknautschte, tierische, humanoide – linsen hinten über die schräg nach vorn gekippte Spielfläche und skandieren Schöpfungssätze aus der Genesis. Zwischendurch gucken sie sich an, kommentieren das Gesagte, kichern zu den selbstgeklopften Grantlsprüchen wie Waldorf und Statler aus der...
0 : V O R H E R
Not like the brazen giant of Greek fame
With conquering limbs astride from land to land
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
«Ke...
Das Hamburger Produktionshaus Kampnagel hat ein Herz für marginalisierte Theaterformen: Postmigrantisches Theater passt in die Kampnagel-Praxis der queeren Performance ebenso wie inklusives Theater. Marginalisiert ist auch Kinder- und Jugendtheater. Jeder weiß, dass man es braucht, um eine jüngere Generation an die Darstellende Kunst heranzuführen, dennoch wird es...
