Bonn: Ressentiment und Rückspiegel

Lothar Kittstein «Schlafende Hunde» (U)

Theater heute - Logo

Hurra, die Karottenhose ist wieder da. Sie ist nach wie vor hässlich wie die Nacht, nur dass inzwischen auch noch die Hüften dicker geworden sind. Aber bis das alle realisiert haben, lässt sich mit dem 80er-Jahre-Monstrum ganz gut Geld verdienen. Das gleiche Prinzip verfolgt Musikagent Danni, wenn er alternde Schlagerstars zurück auf die Bühne lockt. Zwei, drei Jahre füllen sie die Kassen, bis auch die nostalgischsten Fans verstanden haben, dass die Erinnerungen beim Plattenhören schöner sind als die verlebten Gestalten auf der Bühne.

Im neuen Stück von Lothar Kittstein, «Schlafende Hunde», scheitert der Comeback-Plan. Und auch die Bonner Uraufführung will als Saison-Abschluss nicht recht zur insgesamt beeindruckenden und politisch durchdachten letzten Spielzeit unter Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp passen.

Kittstein hat sich traurige Figuren ausgedacht, und noch schlimmere Schlager: «Die Ewigkeit geht nie vorbei / die Ewigkeit kriegst du nicht klein» oder «Ich bring dir Rosen, Papa / ich trag sonntags deine Hosen, Papa». Dennoch wäre Ex-Star Frank, mittlerweile 67, verzweifelt genug, ein Comeback zu wagen. Das Stück setzt ein, als er, angeschoben von Starscout Danni, das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Konstantin Küspert: Der Westen

0 :   V O R H E R

Not like the brazen giant of Greek fame
With conquering limbs astride from land to land
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
«Ke...

Der digitale Zauberlehrling

Mit dem Spruch hat er sich Feinde gemacht. Als Kay Voges bei der Konferenz «Theater und Netz» vom «24-Stunden-Job» Kunst und den erforderlichen «100 Prozent Leidenschaft» für Theater sprach, stellt er sich außerhalb eines Diskurses, in dem es momentan um die Abschaffung von Hierarchien, Allmacht und Aufopferungsbereitschaft geht – und die Verwirklichung von mehr...

Mannheim: Allein in Düsseldorf

Als Heide Keller am Neujahrstag 2018 von Bord des Traumschiffs ging, war sie nicht nur die dienstälteste Seriendarstellerin des Fernsehens. Chefhostess Beatrice, so Kellers zweite Identität, war auch die Mutter Beimer des öffentlich-rechtlichen Luxuskuschelns auf allen Weltmeeren. Als sie Tschüss sagte, gönnte ihr das ZDF die Aussicht auf eine Zweitkarriere als...