Bonn: Ressentiment und Rückspiegel
Hurra, die Karottenhose ist wieder da. Sie ist nach wie vor hässlich wie die Nacht, nur dass inzwischen auch noch die Hüften dicker geworden sind. Aber bis das alle realisiert haben, lässt sich mit dem 80er-Jahre-Monstrum ganz gut Geld verdienen. Das gleiche Prinzip verfolgt Musikagent Danni, wenn er alternde Schlagerstars zurück auf die Bühne lockt. Zwei, drei Jahre füllen sie die Kassen, bis auch die nostalgischsten Fans verstanden haben, dass die Erinnerungen beim Plattenhören schöner sind als die verlebten Gestalten auf der Bühne.
Im neuen Stück von Lothar Kittstein, «Schlafende Hunde», scheitert der Comeback-Plan. Und auch die Bonner Uraufführung will als Saison-Abschluss nicht recht zur insgesamt beeindruckenden und politisch durchdachten letzten Spielzeit unter Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp passen.
Kittstein hat sich traurige Figuren ausgedacht, und noch schlimmere Schlager: «Die Ewigkeit geht nie vorbei / die Ewigkeit kriegst du nicht klein» oder «Ich bring dir Rosen, Papa / ich trag sonntags deine Hosen, Papa». Dennoch wäre Ex-Star Frank, mittlerweile 67, verzweifelt genug, ein Comeback zu wagen. Das Stück setzt ein, als er, angeschoben von Starscout Danni, das ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler
Geschlagene zwei Stunden, wie er nicht müde wurde zu betonen, hat sich der international vielbeschäftigte Regisseur und NT-Gent-Intendant Milo Rau Zeit genommen, um im Bordbistro eines ICE auf dem Weg zur Kerr-Preisverleihung am letzten Tag des Theatertreffens eine Jahrhundertfrage zu beantworten: Was unterscheidet die Schauspielkunst des 21. Jahrhunderts von dem...
«Kommen Se rinn, da können Se rauskieken.» – dieser traditionelle Jahrmarktsausruf ziert als Motto jenen Katalog, den Karl-Ernst Herrmann und Erich Wonder zu ihrer gemeinsamen Ausstellung «Inszenierte Räume» im Hamburger Kunstverein 1979 herausgegeben haben. Die lakonische wie verheißungsvolle Aufforderung ließe sich durchaus als eine witzige Weltformel für...
Man wünscht sich Kategorien, wenn man über Künstler spricht. Man möchte sagen können: Der macht Musiktheater, performt, macht Aktionskunst. Man möchte sagen können: Der ist ein Mann, die ist eine Frau. Man möchte den Künstler irgendwie fassen. Und der erste große Stein, den einem Tucké Royale in den Weg legt, wenn man versucht, etwas über seine Kunst zu sagen, ist,...
