Dresden Staatsschauspiel: Schottische Lichtdom-Architektur
«Bitte erwarten Sie nichts, das ist nur ein theatralischer Trailer.» Mit diesem Vorwort lässt Regisseur, Hauptdarsteller und Musiker Christian Friedel gleich am Anfang die Luft aus sämtlichen Erwartungshaltungen, die sich an dieses «Searching for Macbeth» richten könnten. Per Video gibt es eine Einführung zum Stand der Dinge, was man eigentlich vorhatte (Musik, Tänzer, Massen!) und dass dies alles, Sie wissen schon, nicht so stattfinden kann, zumal das Stück ja ohnehin verflucht sei.
Flackernde Glühbirnen zum Einlass deuteten dies bereits an, und so vorgewarnt beginnt diese angekündigte Andeutung von Theater.
Und entwickelt vom ersten Moment an eine Wucht, die all das Vorgeplänkel als frivole Tiefstapelei erscheinen lassen. Hinter einem Gazevorhang steht der kleine Macbeth mit Krone und Schwert, während die drei Hexen als übergroße Geistergestalten ihre Weissagungen an den Mann bringen. Dazu perfekt orchestrierte Donner, Blitze zur horriblen Bilderbuchatmosphäre. Macbeth erscheint in einer Art Lichtdom, alles strahlt weiß, und der spätere Königsmörder weiß noch gar nicht, wohin mit all den Prophezeiungen; erst seine Frau bringt ihn klar auf die Spur.
Keine originelle Lesart, aber ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
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