Drei-Affen-Theater

Augen, Ohren zu und Schweigen – reagiert so das Theater auf den Krieg?, fragt sich Allex. Fassberg

Theater heute - Logo

Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das Husten von den Autoabgasen der Dutzende Polizei -wagen, als ganze Nachbarschaften und bestimmte Stadtteile zu sogenannten kbOs erklärt werden.

Nicht das Auflegen des Telefons, das Zuschlagen von Türen, die leise Landung von Emails in Posteingängen – Töne der endenden Kooperationen, die Absagen von Auftragsarbeiten, der Rückzug von Preisen, von Ein -ladungen, der Verlust von Einkünften. Weder die willkürlichen Entscheidungen von Stadt -verwaltungen, mit denen jahrhundertealte Symbole sowie Menschen und Gemeinschaften kriminalisiert werden. Noch das Erschrecken der Schüler:innen, als sie Gewalt von ihren Lehrer:innen erfahren.

Kaum das Entsetzen der freischaffenden Künstler:innen über den Versuch, die künstlerische Freiheit anzugreifen, wenn die Finanzierung des Kultursektors von politischen Ansichten abhängig gemacht wird. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 99
von Allex. Fassberg

Weitere Beiträge
Das Leiden der anderen

Vor ein paar Wochen hatten wir die Leseprobe eines Stücks, dessen Probenstart für November angesetzt war. Der künftige Regisseur saß dabei mit seiner künftigen Besetzung, dem Übersetzer, der Dramaturgie und der Intendantin. So werden oft künstlerische Entscheidungen bei uns in Tel Aviv getroffen. In diesem Fall schienen sich alle anwesenden Kollegen in das Stück...

Das Rüstzeug einer Blechseele

Es ist ein ungewöhnliches Erbe, das das protegierte «Kind aus Seide» in Leonie Ziems gleichnamigem Stück antritt: Der jungen Frau werden eine Eisdiele und ein Sexroboter vermacht. Mithilfe jenes unverblümt sinnlichen automatischen «Milchmädchens» hält die frisch gebackene Eisverkäuferin fortan Laden und Liebesleben am Laufen, doch das Glück ihrer...

Mehr als ein Label

Theater verteidigen mit einem partizipativen Ansatz nicht nur meine oder unsere Rechte (also die Rechte von BPoCs bzw. allen Menschen, die gruppenspezifischen Diskriminierungen ausgesetzt sind), sie verteidigen die Demokratie im Allgemeinen.

Zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen wählen rechtsextrem.

Deshalb gehen seit dem Bekanntwerden der «Remigrationspläne»...