Mehr als ein Label
Theater verteidigen mit einem partizipativen Ansatz nicht nur meine oder unsere Rechte (also die Rechte von BPoCs bzw. allen Menschen, die gruppenspezifischen Diskriminierungen ausgesetzt sind), sie verteidigen die Demokratie im Allgemeinen.
Zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen wählen rechtsextrem.
Deshalb gehen seit dem Bekanntwerden der «Remigrationspläne» viele Menschen auf die Straße, um die Demokratie zu vertei -digen. Sie verteidigen damit auch die «Freiheit der Kunst» (laut Art.
5, Absatz 3 des Grund -gesetztes) und somit die Theater, in denen wir Kunst schaffen, kontroverse Thesen auf die Bühne bringen, sehr unterschiedliche Ästhetiken wagen, wo über Religion, Sexualität, Lebens- und Denkweisen gesprochen und gestritten werden darf. Wo Anderssein ein Recht haben sollte. Damit meine ich sowohl diese Ansichten und Ästhetiken als auch kulturelle Prägungen oder Körper: Körper mit Behinderung, weiblich gelesene Körper, queere Körper, Transkörper, nichtweiß gele -sene Körper, Schwarze Körper … ihr wisst schon.
Auf jede politische Bewegung Richtung Freiheit und Teilhabe von sogenannten Randgruppen folgt ein Backlash, das zeigt die Geschichte. Hat das Theater also den ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 95
von Isabelle Redfern
Seit jeher war das europäische Theater eine Ego-Show: Der Mensch hat sich mit sich selbst beschäftigt, Natur kam nur am Rande vor, als Gegenwelt, Bedrohung oder Seelenspiegel. Tragisches spielte sich – aristotelisch, aristokratisch – in Herrscherhäusern ab, tränenwürdig war nur der Sturz der Mäch tigen. Seit dem sozialen Realismus wird dieses Privileg auch den...
In Sachsen wird dieses Jahr die Demokratie verteidigt. Auch in Thüringen und Brandenburg. Drunter wird das nichts. Die Erzählung wird überall die gleiche sein: Antidemokraten gegen Demokraten. Mit dem Ergebnis kurioser Parteienbündisse und Parteivorsitzender in Erklärungsnot sowie einer rechten Minderheit (auch 30 Prozent sind eine Minderheit), die lauthals nach...
Es ist ein ungewöhnliches Erbe, das das protegierte «Kind aus Seide» in Leonie Ziems gleichnamigem Stück antritt: Der jungen Frau werden eine Eisdiele und ein Sexroboter vermacht. Mithilfe jenes unverblümt sinnlichen automatischen «Milchmädchens» hält die frisch gebackene Eisverkäuferin fortan Laden und Liebesleben am Laufen, doch das Glück ihrer...
