Dortmund/Köln: Abbau überall

Mike Daisey «Trump», Julian Pörksen «Wir wollen Plankton sein» (U)

Was ist Donald Trump? Ein Performer? Der amerikanische Monologist Mike Daisey jedenfalls sieht eine Verwandtschaft zwischen sich als Performer und dem amerikanischen Präsidenten. Deshalb hat er schon zu Trumps Kandidatenzeit einen Text geschrieben, der seine Recherche-Ergebnisse über Biografie und Umfeld Trumps zusammenfasst. Das Dortmunder Schauspiel hat schnell reagiert, eine Übersetzung angefertigt und dar­aus einen deutschen Theaterabend gemacht. Aus dem «Performer» Trump wird in der Version der Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ein «Akteur».

Er ist ja leider beides: Selbstdarsteller und Handelnder. Ansonsten kürzt die Dortmunder Fassung, passt aber wenig an deutsche Verhältnisse an.

Um aus dem Monolog des Sit-Down-Comedians Daisey ein Theaterstück zu machen, wählt die Inszenierung von Marcus Lobbes zwei Mittel: zum einen den Raum. Kein Theatersaal ist in der Dortmunder Ausweichspielstätte Megastore nachgebaut, sondern eine Wahlparty. Man steht an Tischen, es gibt Salzstangen, Luftballons und amerikanische Fähnchen. Auf der Bühne ein Abbild des Weißen Hauses. Dieser Raum spielt mit, ebenso wie das Publikum. Die beiden Schauspieler (Bettina Lieder und Andreas Beck) verwickeln ...

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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Gerhard Preußer

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