Dortmund: Erlösende Unterhaltung
Wieder am 29. März und 21. April in Dortmund
Gleich zwei kaum noch gespielte Stücke hat man da in Dortmund fast zeitgleich ausgegraben. Wie um seine unbedingte Distanz zu Brecht noch zu betonen, lässt Sascha Hawemann in «Furcht und Elend des Dritten Reiches» hinter einem distanzierten Vorhang im Dauerloop Brecht-Fotos und -Filme aus den 30er Jahren abspielen – eine pädagogische Entsorgung als Che Guevara und Pin-up-Girl der Theaterliteratur zugleich.
Als sein Double mit Zigarre und Brille sieht Uwe Schmieder an der Rampe zwar eher wie Sartre aus, erklärt aber dafür umso kindgerechter den V-Effekt, politisches Theater als erlösende Unterhaltung und überhaupt: die grundsätzliche Bedeutung dieses größten Autors des 20. Jahrhunderts mit schwierigem Frauenbild. Alles Folgende wird nun zur Variation der Verfremdung oder zum Experiment in der Frage: Wie nah lassen Schauspieler Gefühle an Rollengestaltung?
Ganz nah und traurig wird es bei der Jüdin (Friederike Tiefenbacher), die in einem Gang zwischen raschelndem Altpapier hastig ihre Koffer packt und elegisch blickend mit einem erleichterten Ehemann konfrontiert wird. Eher schrill bei Dienstmädchen (Bettina Lieder) und SA-Mann (Frank Genser) – in pinkem Trainingsanzug versorgt ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Dorothea Marcus
Gut drei Dutzend Eimer Kunstblut versickern jeden Abend im Gitterrostboden, dazu vier Akteure in wechselnden Figurenkonstellationen, eine Konfetti-Kanone und immerhin mehr als die Hälfte vom Originaltext «Hamlet» – so macht sich Christopher Rüping, der junge Hausregisseur der Münchner Kammerspiele, über Shakespeares Prinzen her und entdeckt dabei im notorischen...
Eine kompakte rote Fassade, die den Blick auf die Bühne verstellt, mit einer Tür, die – natürlich – verschlossen ist. «Eternal Russia» steht über dem Türsturz, «Ewiges Russland». Ein Mitarbeiter öffnet die Tür und bittet hinein ins Geheimnis der Russischen Revolution, deren Jubiläum das Berliner HAU mit dem Festival «Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit...
Manche Einsichten kommen leider (zu) spät. «Ich möchte mich entschuldigen», wendet sich eine zottelige Kreatur am Ende der «10 Gebote» ans Publikum des Deutschen Theaters Berlin und gesteht kleinlaut «Fehlleistungen, Hybris, Hochmut und Großmannsträumereien» ein. Dass es sich bei diesem flauschigen Kollegen mit dem leibhaftigen Schaf im Schlepptau um Gott...
