Diskurs: Ochsen und Bullen
Der bunt verzierte Kopf eines Rindviehs thront auf dem Plakat mit dem Titel «Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm? Perspektiven für Theater in der Provinz». Eine Metapher, die in der Theaterlandschaft weit mehr assoziiert als Spielorte hinter Rinderweiden im ländlichen Raum. Das Alpha des griechischen Alphabets symbolisiert die Hörner des Stiers, der seine Freiheit eingebüßt hat, denn der Querstrich im Buchstaben A ist sein Joch. Der Bulle ist also domestiziert und kastriert, somit ein Ochs.
Die Frage, wer der tonangebende Bulle und wer der domestizierte Ochse im Theater ist, wurde auf der vom Landestheater Schwaben in Memmingen (Silvia Stolz) und dem Institut für Kulturpolitik der Uni Hildesheim (Wolfgang Schneider, Katharina Schröck) organisierten Tagung heftig diskutiert. Die anwesenden Theaterleitungen sonnten sich, wenn überhaupt, dann nur noch ansatzweise in ihrer künstlerisch-autonomen Alleinherrschaft und schienen sich von Kulturvermittlern und der Freien Szene befruchten zu lassen; Gruppierungen, denen gerne mal Autonomiepotenz und Hochkulturstatus aberkannt wird und die so – bleibt man in der Metaphorik – traditionell eher den Ochsen zugeordnet ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Julius Heinicke
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