Cottbus: Wenn einer eine Reise tut
Es ist eine Art Lackmustest für Jo Fabian, der seit dieser Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus ist und das Publikum für seine Art von Theater erst noch gewinnen will und muss. Nach zwei eigenen Regiearbeiten – «Wilhelm Tell» und «Onkel Wanja» –, die sich beide an klassischen Dramentexten orientieren, ruft er nun zum Aufbruch, zur «Terra In Cognita».
Ein mehrdeutiger Titel, der zwischen Utopiehoffnung, Postkolonialismus und eben der Cottbuser Situation bedeutungsschwer herumschillert, zumal der Abend zugleich auch noch als choreografisches Figurentheater und Triptychon angekündigt ist. Entsprechend gliedert sich die Inszenierung denn auch in einen bildhaft-rhythmischen Prolog, ein dreigeteiltes Wimmelbild im Hauptteil und eine Trommelperformance als Abschluss. Dazu gibt es in den beiden Pausen Beuys-Textperformances vom Band.
Gleich zu Beginn lässt Fabian unter den unbarmherzigen Paukenschlägen von Jörg Trost acht Ruder aus den Wänden kommen. Die Sklaverei als Ausgangspunkt, Kraft durch Menschenkraft und ein blutrotes Bühnenbild, in dem in strenger Synchronität die nicht sichtbaren Ruderer ihre Zwangsarbeit vollbringen und die Geschichte voranschreiten lassen. Erst zwei ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
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