Dirty Dancing
Samouil Stoyanov ist einer dieser Schauspieler, die sofort auffallen. Von vielen seiner Kolleginnen und Kollegen unterscheidet er sich dadurch, dass er hochtouriger spielt, körperlicher, auch ungeschützter. Der Enthusiasmus, mit dem er sich kopfüber in seine Rolle stürzt, hat etwas Mitreißendes. Man spürt, dass Stoyanov sich jetzt gerade nichts Besseres vorstellen kann, als auf dieser Bühne zu stehen und zu spielen. So ging es auch Valery Tscheplanowa, als sie Stoyanov zum ersten Mal spielen sah.
Die Schauspielerin war beim Theatertreffen dieses Jahr für die Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises verantwortlich, und in der Ernst-Jandl-Collage «humanistää!», die Claudia Bauer am Volkstheater Wien inszeniert hatte, fiel ihr Stoyanov schon am Anfang auf, als sein Gesicht noch hinter einer anonymisierenden Maske verborgen war: «Ich fragte mich, wer tanzt da so kampfbereit Sprache?» Am Ende war die Alleinjurorin davon überzeugt, den Kerr-Preisträger 2022 gefunden zu haben. Und weil es sich dabei um einen Nachwuchspreis handelt, hatte sie jetzt nur noch eine Sorge: «Ich dachte nur, lieber Himmel, lass ihn nicht 50 sein! Denn von 5 bis 50 hatte ich in diesem erstaunlichen Wesen alle ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 96
von Wolfgang Kralicek
Muss man in Kriegszeiten Stücke über den Krieg schreiben oder lesen oder auf die Bühne bringen? Ist es überhaupt möglich, und welchen Nutzen könnte es haben? Lässt sich ästhetisch fassen, was gerade vorgeht? Und wenn Zuschauer: -innen es hierzulande im Theater betrachten, was könnte der Gewinn sein? Wer will das sehen? Und andererseits – wer stellt (sich) diese...
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff,...
Das ist die Geschichte einer Heimkehr. Wer kennt das nicht, erst einmal sprudeln vor Nostalgie und im zweiten Moment vor der Spießigkeit der unterschiedlichen Rasenmähergeräusche in die Knie gehen. Die Eigenwahrnehmung wird wieder auf Reset gesetzt, zurück in die Kindheit, zurück nach Hause, wo alles beim Alten geblieben ist.
In Fabienne Dürs «Gelbes Gold» kehrt...
