Digitale Höhlen
Hotels – wir kennen sie als Durchgangsräume par excellence, Orte temporären Zuhauseseins, gleichzeitig in ihrer Blütezeit Embleme einer in der Selbstrepräsentanz zu sich gekommenen Gesellschaft. Emre Akal lädt uns in seinem neuen Stück in ein besonderes Exemplar der Gattung ein. Das digital-eskapistische «Hotel Pink Lulu» verspricht genau das zu sein: Durchgangsort für Krisenzeiten, betrieben von der «staatlichen Agentur für zeitliche Überbrückung».
Hier kommen von der Wirklichkeit exilierte Menschen in den je nach ihrer Sehnsucht gestalteten Räumen unter, inklusive Beschallung aus der individualisierten Sound-Bubble: norwegische Wohlfühlkaminflokatilandschaften, Schlaraffenräume mit Möbeln aus Nuss-Nougat-Schokolade und automatischer Sushizufuhr, aber auch eine syrische Pistazienfarm, wo die ganz authentische Erfahrung eines nahöstlichen Bürgerkriegsschicksals simuliert wird und die westliche Person sich endlich einmal auf der moralisch richtigen Seite des weltweiten Ausbeutungssystems wiederfinden darf. Das Ganze natürlich: elektronisch und digital, in perfekter sensorischer Simulation.
Ein unfertiges Stück
Das Versprechen des Hotels: Wunscherfüllung. Und zwar sofort. Über die ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Georg Mellert
Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer...
Im Dezember 2020 unternehmen vier österreichische Autorinnen einen Roadtrip durch die pandemiegelähmte Schweiz. Im Gepäck haben sie einen sorgsam ausgearbeiteten Reiseplan, Gnocchi und Tomatensauce, wahrscheinlich ein paar Flaschen Alkohol – und eine Gummipuppe, männlich. Es soll ein Selbsterfahrungstrip werden, eine Reise in die Vergangenheit und die kollektiven...
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...
