Im Bauch des Wals
Wie schreiben über Vorgänge, deren zeitliche Dimension nicht abzusehen ist? An dieser Frage reiben sich alle Theatertexte über das Anthropozän, wie immer sie auch strukturiert sein mögen. Das alte Brecht-Problem, dass die komplexen Transaktionen des Finanzkapitalismus nicht mit einer dramatischen Struktur abzubilden sind, erscheint hier ungleich vervielfältigt wieder. Kommunikation ist selbst zu einem zentralen Problemfeld der menschlichen Reaktionen auf den Klimawandel geworden.
In ihren Notizen, die Kathrin Röggla bei den Recherchen in Dresden und im sächsischen Umland gemacht hat, schreibt die Autorin: «In meinen Gesprächen mit Aktivist:innen, Umweltbeamt:innen, Unternehmer:innen begegnen mir Erzählungen der Unvorstellbarkeit. Man könne sich wasserstoffbetriebene Autos nicht vorstellen, man könne sich eine ökologische Landwirtschaft nicht vorstellen, man könne sich ein nachhaltiges Freizeitverhalten nicht vorstellen. Man kann sich die Energiewende nicht vorstellen. Fehlende Selbstwirksamkeitsgefühle stecken in jeder Öko-Initiativgeschichte. Wir erleben fehllaufende Kommunikation in der repräsentativen Demokratie.»
Wie Kommunikation stiften über naturwissenschaftliche, ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 153
von Jörg Bochow
Ich bin, das mal vorausgeschickt, keine technikaffine Person. Immer, wenn ich ins Internet gehe, weiß ich nicht genau, was ich da eigentlich soll. Das Überangebot an Möglichkeiten verschreckt mich. Um es nutzen zu können, müsste ich ja wissen, was mich interessiert. Oft weiß ich das nicht. Beziehungsweise, es interessiert mich eigentlich alles! Diese Einstellung...
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...
Unruhig schleicht der Tänzer um die Bühne, wo Tänzerinnen und Tänzer ihre Kostüme aus den Kisten holen und das Bühnenbild langsam aufgebaut wird. Nervös und ungeduldig beobachtet er, wie das Ballett, eine Rekonstruktion von Jean Börlins «La création du monde» von 1923 für die Ballet Suédois in Paris choreografiert und uraufgeführt, vor ihm eingerichtet wird....
