Dieser effiziente Mehdornismus!

Herbert Fritsch vermisst die Lust im Theater

Was ist ein Ensemble? Ist das ein zusammengewürfelter Haufen? Oder maßgeschneidert gecastet? Sind das lauter Individuen oder ein Haufen plus Star? Sind es lauter Stars? Es gibt so viele unterschiedliche Aspekte! Ich erwarte inzwischen von den Schauspielern, dass sie selbständig spielen, Vorschläge machen, dass sie Künstler sind – Schauspielkünstler, Körperkünstler –, die sich was trauen, und nicht «reproduzierende» Künstler, wie das einem früher an der Schauspielschule gesagt wurde.

Diese Selbständigkeit funktioniert aber nur, wenn wir uns miteinander entwickeln: Dann wird daraus ein Ensemble, eine Bande, eine Gang.

Was ich nicht erwarte ist, dass diese Schauspieler mit allen Regisseuren, die an einem Haus inszenieren, gleich gut arbeiten können. Ich halte es im Gegenteil für ziemlich tödlich, wenn Schauspieler so einen Bauchladen mit sich rumtragen und daraus verschiedene Styles anbieten können, heute Fritsch, morgen Stemann und zwischendurch noch einen Ostermeier. Diese Flexibiliät gleicht die Profile der Ensembles an, macht sie austauschbarer. Ich glaube an das Individuelle eines Schauspielers, an das Besondere, das ihn ausmacht, aber auch an das Prinzip der Commedia dell’Arte. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 65
von Herbert Fritsch

Weitere Beiträge
Postideologische Querfronten

Nicht erst seit vor ein paar Jahren der «Nipster» durch die vermischten Nachrichten geisterte – Personen im Hipster-Outfit auf Nazi-Demos – und Neonazis als «Nationale Autonome» Methoden und Looks des «Schwarzen Blocks» imitierten, verlangt ein Phänomen nach Deutung, das in verschiedenen Formen schon seit Beginn des neuen Jahrtausends aktenkundig ist: die...

Außerdem hat sie immer Zigaretten

1. Kurz vor Probenbeginn zur «unverheirateten» von Palmetshofer Ewald, Café Europa, 16 Uhr, Wien

Reinsperger Hallo. Ich bin die Steffi. Schön dich mal kennenzulernen.
Borgmann Ja, schön. Hallo. Robert. Find ich auch. Gut hier irgendwie.
Reinsperger Ja, ich bin öfter hier. Ich kenn’ hier den Barkeeper.
Borgmann Aha. Das kann nie schaden. Ich bestell mal was.

Stefanie...

Zwanzig Jahre später

Geflüchteten Menschen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selbst sprechen können, scheint das probate Mittel zu sein, um als Theater auf die untragbare Situation der Geflüchteten in Europa reagieren zu können. Dass sich diese Haltung weitgehend durchgesetzt hat, rührt auch von der verstärkten Selbstrepräsentation der Geflüchteten her, die in Protestcamps in...