Die Zukunft von vorne ausdenken
Von Anfang an ist das Scheitern eingeschrieben: «Du wirst es nicht wahrhaben wollen, dass dieser Ort zerstört werden wird / but the cops will come / und werden hier alles verwüsten, alles zertreten, was sie mit ihren Stiefeln und ihren behandschuhten Händen nur werden schrotten können / werden dich mit ihren Räumfahrzeugen und Hebebühnen von den Traversen schneiden / Befehl ist Befehl / Und nach den Cops werden die Sägen und Harvester kommen, die Holzvollernter, die Forwarder und Elliator / Und die Terminator und Alienator / Genau.
Und die Alienator werden die Bäume entwipfeln / werden entasten, entrinden, zersägen, entwurzeln / Das wird dein Zuhause gewesen sein.» – Oder sind die Zukunftsaussagen der Figuren auf den ersten Seiten von «Das Licht der Welt» gar nicht rückblickend empirisch, sondern lediglich vorausschauend defätistisch? Und überhaupt: Geht es bei einer Waldbesetzung ausschließlich darum, den tatsäch -lichen Kampf gegen Politik und Kapital zu gewinnen – oder eben auch um den utopischen Moment einer Gegenwelt, um den richtigen Ort im sozialen Augenblick, um die Dialektik des Lagerfeuers?
Am Ende des neuen Theatertextes von Raphaela Bardutzky werden die Lesenden und ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Lene Grösch und Holger Schultze
Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?», fragt sich der ehemalige leidenschaftliche Theater -gänger Roland Barthes, als er sich, älter...
Es ist Anfang der 2000er, ich bin Anfang 20 und habe einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen. Ich studiere Schauspiel. Ich bin überglücklich. Mir fällt eine Tabelle in die Hände, aus der ersichtlich ist, dass ich trotz eines Studiums weit weniger verdienen werde als andere Leute am Theater, auf und hinter der Bühne. Erstmal egal. Ich brenne für meinen Beruf.
...Durch #MeToo und Black Lives Matter haben Rassismus und Sexismus in der Gesellschaft eine Aufmerksamkeit bekommen, die es so bislang noch nicht gab. Auch die Theater mussten sich verhalten, haben endlich Gremien und Anlaufstellen entwickelt, was längst überfällig war. Man könnte schon sagen, dass in kürzester Zeit eine neue Kultur des Sehr-schnell-da-Mitgehens...
