Die Zukunft von vorne ausdenken

Raphaela Bardutzky «Das Licht der Welt»

Von Anfang an ist das Scheitern eingeschrieben: «Du wirst es nicht wahrhaben wollen, dass dieser Ort zerstört werden wird / but the cops will come / und werden hier alles verwüsten, alles zertreten, was sie mit ihren Stiefeln und ihren behandschuhten Händen nur werden schrotten können / werden dich mit ihren Räumfahrzeugen und Hebebühnen von den Traversen schneiden / Befehl ist Befehl / Und nach den Cops werden die Sägen und Harvester kommen, die Holzvollernter, die Forwarder und Elliator / Und die Terminator und Alienator / Genau.

Und die Alienator werden die Bäume entwipfeln / werden entasten, entrinden, zersägen, entwurzeln / Das wird dein Zuhause gewesen sein.» – Oder sind die Zukunftsaussagen der Figuren auf den ersten Seiten von «Das Licht der Welt» gar nicht rückblickend empirisch, sondern lediglich vorausschauend defätistisch? Und überhaupt: Geht es bei einer Waldbesetzung ausschließlich darum, den tatsäch -lichen Kampf gegen Politik und Kapital zu gewinnen – oder eben auch um den utopischen Moment einer Gegenwelt, um den richtigen Ort im sozialen Augenblick, um die Dialektik des Lagerfeuers? 

Am Ende des neuen Theatertextes von Raphaela Bardutzky werden die Lesenden und ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Lene Grösch und Holger Schultze

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