Das wär was!

Umbrüche sind eine Chance, wenn man im Gespräch bleibt, findet Michael Klammer

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Durch #MeToo und Black Lives Matter haben Rassismus und Sexismus in der Gesellschaft eine Aufmerksamkeit bekommen, die es so bislang noch nicht gab. Auch die Theater mussten sich verhalten, haben endlich Gremien und Anlaufstellen entwickelt, was längst überfällig war. Man könnte schon sagen, dass in kürzester Zeit eine neue Kultur des Sehr-schnell-da-Mitgehens entstanden ist, sich zu informieren, zu bilden und die Erkenntnisse eins zu eins umzusetzen.

Aber natürlich gibt es auch die Leute, die lieber erstmal abwarten, bis es sie in irgendeiner Form selbst betrifft, so nach dem Motto «Dann kann ich mich immer noch damit beschäftigen», oder auch diejenigen, die sich komplett verweigern, weil ihnen alles zu schnell geht oder zu lästig ist. 

Umbrüche sind eigentlich immer spannend. Wenn man das begreift, kann man die Energie daraus nutzen. Die Krux sind die Parteilichkeiten. Die einen sagen: «Ich hab keine Lust, immer alles zu erklären – educate yourself!», die anderen finden: «Denen kannst du es nie recht machen, die übersehen, dass wir es schon immer anders gemacht haben.» Und dann ergeben sich daraus Dynamiken, aus denen gegenseitige Vorwürfe hervorgehen: «zu beleidigt, zu bunt, zu ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 84
von Michael Klammer

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