Die Zukunft der Menschheit

Drei Uraufführungen reiben sich am Fortschritt: Caren Jeß’ «To My Little Boy» in Hamburg, Soeren Voimas Voltaire-Überschreibung «Candide oder der Optimismus» in Dresden und Emre Akals «Es sagt, es liebt uns» in Mannheim (der vollständige Stückabdruck in diesem Heft)

Theater heute - Logo

Nein, Aaron ist kein toxischer Mann, der vom moralischen Bühnen-Hochsitz aus in Grund und Boden kritisiert werden müsste. Kein Richard III.

oder schlimmer, niemand, den man dringend umerziehen sollte zum besseren Menschen, und übrigens auch keiner, der transgenerationale Traumata mit sich herumschleppt oder andere stark belastende Zivilisationsschäden – sondern das genaue Gegenteil: Aaron ist einfach ein guter, meist ausnehmend netter Mann mit einem soliden trockenen Humor, der sich auch im Erwachsenenalter noch ohne Scham an sein polyesterpinkes Kuscheltier schmiegt – ein Schwein namens Tupper – und sich auch sonst beruflich der Weltverbesserung verschrieben hat.

In seinem Fall der Geologie mit Chemie-Schwerpunkt und aktuell besonders der Frage, wie man giftige Bergbaurückstände, die bei der Suche nach Lithium oder anderen Seltenen Erden anfallen, möglichst umweltverträglich verarbeitet. Dazu sollte man wissen, dass 99,5 Prozent dessen, was dafür aus der Erde geholt wird, anschließend als giftiger Sondermüll auf derselben herumliegt, kein schöner Zustand, und darüber könnte jetzt Aaron noch stundenlang weiterreden, aber das lassen wir an dieser Stelle besser.

Dabei hatte Aaron ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Birth, School, Work, Death

Ein leerer Raum. Weiße Wände, weiße Sitzbank. Und Florent, weißer Rollkragen, weiße Hose, weiße Socken in weißen Sneakers (Kostüm Adriana Peretzki). Ein Mann, nicht mehr jung, noch nicht alt, angegrautes, halblanges, strähniges Haar. Tonlos beginnt Florent, von seinem durchschnittlichen Leben zu erzählen, eine Suada der Enttäuschungen: Kindheit, Studium, Arbeit,...

Fragt eine Kerze die andere …

Es ist Ewigkeiten her: Will Quadflieg spielt den Lear in einem Gastspiel in Ludwigshafen, doch der berühmte alte Schauspieler kann sich nicht mehr konzentrieren. Das Publikum sitzt fasziniert und etwas peinlich berührt: Quadfliegs Fahrigkeit, der vergessene Text, der vergebliche Versuch, Haltung zu bewahren, verschwimmen mit der Orientierungslosigkeit Lears. Der...

Reverenz vor dem Scheitern

«Theater der Realität» nennt Yasmina Reza die Strafprozesse, die sie seit vielen Jahren besucht, Gerichtsverhandlungen über Fälle, so grausam, grotesk oder absurd, wie sie selbst die französische Erfolgsdramatikerin nicht erfinden könnte. Letzte Kapitel unscheinbarer, aber wohl trostlos verfahrener Existenzen, die plötzlich in monströse Taten eskaliert sind. Eine...