Die Wunden der Überlebenden
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist.
Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München, und es wirkte, als tauchten aus dem Dunkel des nur zu gern ersehnten Vergessens zwei Figuren auf, die wie müde, traurige Clowns in einer sich in Trümmern auflösenden Welt herumstehen und dabei an einen Krieg gemahnen, von dem heute keiner mehr etwas wissen will.
Der mazedonische Dramaturg und Film-Dozent Dukovski wurde Ende der neunziger Jahren bekannt mit dem Stück «Das Pulverfass», einem (tatsächlich quasi Schnitzlerischen) Reigen des Grauens – kaum war eine Figur als Täter vorgestellt, war sie in der nächsten Szene auch schon tot. Das Irritierende an dem Stück war, dass Dukovski es als Vorahnung des Bürgerkriegs verstanden haben wollte, als einen Vorgriff auf das, was kommen sollte, längst aber schon passiert war. Denn in Dukovskis Stücken geht es, auch wenn man in «Leere Stadt» in der Ferne Geschützdonner hören kann, ...
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Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
Dea-Loher-Rezipienten lassen sich pauschal in zwei Gruppen teilen. Die einen, nennen wir sie Realisten, finden nach der Lektüre oder dem Besuch ihrer Stücke: So ist das Leben. Spätestens unterm Strich sind wir schließlich alle Enttäuschte, Traumatisierte, Gekränkte, Versehrte, vom Schicksal Betrogene und irgendwann Tote, und Dea Lohers Dramatik verleiht dieser...
