Die Volksbühnen-Frage
Matthias Lilienthal? Leander Haußmann? Florentina Holzinger? Nicolas Stemann? Martin Wuttke? Didi Hallervorden? Am 1. April fehlte in Berlin unter den kursierenden Vorschlägen eigentlich nur noch die Meldung, Frank Castorf würde an die Volksbühne zurückkehren. Auf diese verwegene Idee kamen allerdings nicht einmal die ärgsten Romantiker vom Rosa-Luxemburg-Platz.
Der Tod von René Pollesch hat nicht nur sein Theater in eine Führungskrise gestürzt, sondern – wie könnte es bei René Pollesch anders sein – ein paar Lebenslügen entlarvt, die der Verstorbene qua seiner Person und Geschichte noch elegant überbrücken konnte. Bei seinem Amtsantritt verkündete er einerseits, alles anders, nämlich im Kollektiv zu machen, andererseits saß er schon bei der ersten Pressekonferenz allein auf der Bühne, was mit einigen rhetorischen Arabesken übertüncht wurde: «Ich habe mich allein bei der Pressekonferenz hingesetzt. Schon weil wir nicht ein Bild von einer Intendanz abgeben wollten, die daran interessiert ist, die richtigen Bilder ab -zuwerfen, und alles richtig zu machen. Also ich saß da allein, aber ich bin nicht allein. Wir nennen das die Träger:innen der Intendanz. Und das sind acht Leute im ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
In Paris stehen die Olympischen Spiele vor der Tür, aber von einer Flamme der Begeisterung ist nichts zu merken. Die meisten Pariser:innen, mit denen ich gesprochen habe, wollen im August ohnehin nach Möglichkeit aus der Stadt fliehen. Mit dem Geld, das die Zimmervermietung einbringt, können sie sich nachher ein Jahr lang wieder über Wasser halten. Das...
Fokussierung zum Tod
«Arbeit und Struktur» von Wolfgang Herrndorf am Schauspielhaus Düsseldorf, inszeniert von Adrian Figueroa
Es gibt einen Unterschied zwischen dem existenziellen Trost einer großen Erzählung und dem Müll, von dem wir eindeutig zu viel lesen. So schrieb es der krebserkrankte Autor Wolfgang Herrndorf in seinem Blog-Tagebuch «Arbeit und Struktur»....
Am Ende fallen drei Schüsse hinter der großen schiefen Bühnentreppe. In den letzten zwei Stunden hat sie sich vom antiken Palast in Kolchos zum mit Kissen ausgelegten Wohnloft der griechischen Upper-Middle-Class verwandelt. Hier leben Jason und Medea, zwei ausgewachsene Antiken-Neurotiker. Ihre ohnehin von Beginn an eher vertragsgemäße denn emotionale Ehe ist da...
