Hiobsbotschaften
In Paris stehen die Olympischen Spiele vor der Tür, aber von einer Flamme der Begeisterung ist nichts zu merken. Die meisten Pariser:innen, mit denen ich gesprochen habe, wollen im August ohnehin nach Möglichkeit aus der Stadt fliehen. Mit dem Geld, das die Zimmervermietung einbringt, können sie sich nachher ein Jahr lang wieder über Wasser halten. Das Verkehrschaos in der Métro ist angesagt, ebenso bereits Streiks im öffentlichen Dienst. Die Bouquinisten müssen aus der Stadt raus, ebenso die obdachlosen SDF (sans domicile fixe). Das Bild, das sich zeigt, wird dadurch nicht schöner.
Was es trübt – mal abgesehen von der alles überschattenden, leider wieder sehr akuten Furcht vor Terroranschlägen –, sind Hiobsbotschaften in Folge. Kürzungen für Kulturinsti -tutionen, Schließungen von Kunsthochschulen, um jetzt mal im Kultursektor zu bleiben. Künstlerische Etats in Schauspiel- und Opernhäusern, die seit Jahren stagnieren und von der Inflation aufgefressen werden. Alle sagen das Gleiche: Strom und Gas sind teurer geworden, Unterkünfte kosten das Doppelte, Reisen ist aufwendiger, insbesondere, wenn es nachhaltig sein soll – irgendwo muss das Geld wieder eingespart werden. Die einzige ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Andreas Klaeui
Franz Wille Eins der großen Ereignisse dieser Spielzeit ist die «Anthropolis»-Serie des Hamburger Schauspielhauses in der Regie von Karin Beier: fünf Stücke, teils Übersetzungen, teils neu geschrieben nach mythischen oder antiken Vorlagen um die Stadt Theben. Insgesamt ein riesiges Projekt, selbst für die Verhältnisse eines großen deutschsprachigen Stadttheaters....
August 2023. Vor kurzem hatte Gisèle Viennes «Extra Life» bei der Ruhrtriennale Premiere, ein paar Wochen später ist der Abend beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel zu sehen. Ein Geschwisterpaar hat am frühen Morgen eine Party verlassen und ist mit seinem Kleinwagen am Waldrand gestrandet, berauscht, aufgekratzt, müde. Clara...
Das «Dritte Reich» ist und bleibt einer der größten Relevanzmarker der Gegenwartsliteratur. Da kann ein Autor wie Karl Ove Knausgård uns durch sein ganzes Leben geleiten, geprägt von Familientristesse mit drei Kindern, Leiden am autoritären Vater, Leiden an den Ansprüchen der Ehefrau, Leiden an zu wenig Zeit für Schriftstellerei, alles ein bisschen bürgerlich...
