Hiobsbotschaften
In Paris stehen die Olympischen Spiele vor der Tür, aber von einer Flamme der Begeisterung ist nichts zu merken. Die meisten Pariser:innen, mit denen ich gesprochen habe, wollen im August ohnehin nach Möglichkeit aus der Stadt fliehen. Mit dem Geld, das die Zimmervermietung einbringt, können sie sich nachher ein Jahr lang wieder über Wasser halten. Das Verkehrschaos in der Métro ist angesagt, ebenso bereits Streiks im öffentlichen Dienst. Die Bouquinisten müssen aus der Stadt raus, ebenso die obdachlosen SDF (sans domicile fixe). Das Bild, das sich zeigt, wird dadurch nicht schöner.
Was es trübt – mal abgesehen von der alles überschattenden, leider wieder sehr akuten Furcht vor Terroranschlägen –, sind Hiobsbotschaften in Folge. Kürzungen für Kulturinsti -tutionen, Schließungen von Kunsthochschulen, um jetzt mal im Kultursektor zu bleiben. Künstlerische Etats in Schauspiel- und Opernhäusern, die seit Jahren stagnieren und von der Inflation aufgefressen werden. Alle sagen das Gleiche: Strom und Gas sind teurer geworden, Unterkünfte kosten das Doppelte, Reisen ist aufwendiger, insbesondere, wenn es nachhaltig sein soll – irgendwo muss das Geld wieder eingespart werden. Die einzige ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Andreas Klaeui
Was er wohl so denkt, wenn er vor der Tür steht? Oder in diesem Fall: sie, «die Tod»? Der Dramatiker Marcus Peter Tesch, Jahrgang 1989 und aus dem niederbayerischen Deggendorf, in Gießen ausgebildet und in der Dramaturgie der «Schaubühne» in Berlin weiter geschult, war zweimal Leiter des «Writers Room» beim Theatertreffen und 2017 nominiert für den Retzhofer...
Fokussierung zum Tod
«Arbeit und Struktur» von Wolfgang Herrndorf am Schauspielhaus Düsseldorf, inszeniert von Adrian Figueroa
Es gibt einen Unterschied zwischen dem existenziellen Trost einer großen Erzählung und dem Müll, von dem wir eindeutig zu viel lesen. So schrieb es der krebserkrankte Autor Wolfgang Herrndorf in seinem Blog-Tagebuch «Arbeit und Struktur»....
Am Ende wird dann doch noch gerappt, wie es sich zu einem Jugendstoff aus den 2000er Jahren gehört. Die acht Mitglieder des Leipziger Schauspielstudios performen als Zugabe zu «Nullerjahre» den Song «Plattenbau O.S.T.» mit der einschneidenden Textzeile «Verschwende deine Zeit». Das hat keine ironische Brechung wie bei den West-Punks der späten 1970er, das hier ist...
