Antike Neurosen
Am Ende fallen drei Schüsse hinter der großen schiefen Bühnentreppe. In den letzten zwei Stunden hat sie sich vom antiken Palast in Kolchos zum mit Kissen ausgelegten Wohnloft der griechischen Upper-Middle-Class verwandelt. Hier leben Jason und Medea, zwei ausgewachsene Antiken-Neurotiker. Ihre ohnehin von Beginn an eher vertragsgemäße denn emotionale Ehe ist da schon mehrfach an ihr Ende gekommen. Henriette Hölzel und Matthias Reichwald geben dieses statusbewusste eiskalte Paar in der Dresdner Version von Tom Lanoyes «Mamma Medea».
Wobei der Titel im Grunde grob irreführend ist, denn um die Mamma in Medea geht es nur am Rande. Stattdessen legt Lanoye um den Mythos ein modernes Gewand, indem er Motivationen und Kontexte neu hinterfragt und ihm eine zeitgenössische Sprache gibt. Regisseurin Lilja Rupprecht, Bühnenbildnerin Anne Ehrlich und Kostümbildnerin Andrea Schraad suchen auf der Ausstattungsseite wieder stärker nach der Antike mit großen Säulen, weiß bemalten Gesichtern wie bei frisch zum Leben erweckte Statuen sowie klaren schwarz-weißen Kostümen, die wiederum Richtung Moderne schielen.
In diesem Raum kann sich das siebenköpfige Ensemble (plus zwei Kinder) ganz dem Text ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Der Anfang März dieses Jahres in Cambridge im Alter von 89 Jahren verstorbene englische Dramatiker kam aus einer in der Londoner Vorstadt Holloway lebenden Arbeiterfamilie. Kriegserlebnisse, vor allem die Bombardierung Londons, die Evakuierung sowie die soziale Deklassierung prägten seine Kindheit und wurden später die Themen seiner Stücke. 15-jährig verließ er...
4.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Laios
Mitschnitt der Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. «Laios» ist der zweite Teil des fünfteiligen Theatermarathons «Anthropolis» von Roland Schimmelpfennig, inszeniert von Karin Beier mit Lina Beckmann.
11.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Macbeth
Regisseur Johan Simons...
Klar, dieser Liza muss man nichts beibringen, sie muss auch nicht erst «hübsch» gemacht oder erzogen werden, und einen irgendwie signifikanten Akzent hat sie schon gar nicht. Im Gegenteil, ihre Aussprache perlt in perfekter Artikula -tion ohne den Anflug eines krassen Dialekts, und Blumen verkauft sie auch nur vorübergehend, um sich das Schauspielstudium zu...
