Antike Neurosen
Am Ende fallen drei Schüsse hinter der großen schiefen Bühnentreppe. In den letzten zwei Stunden hat sie sich vom antiken Palast in Kolchos zum mit Kissen ausgelegten Wohnloft der griechischen Upper-Middle-Class verwandelt. Hier leben Jason und Medea, zwei ausgewachsene Antiken-Neurotiker. Ihre ohnehin von Beginn an eher vertragsgemäße denn emotionale Ehe ist da schon mehrfach an ihr Ende gekommen. Henriette Hölzel und Matthias Reichwald geben dieses statusbewusste eiskalte Paar in der Dresdner Version von Tom Lanoyes «Mamma Medea».
Wobei der Titel im Grunde grob irreführend ist, denn um die Mamma in Medea geht es nur am Rande. Stattdessen legt Lanoye um den Mythos ein modernes Gewand, indem er Motivationen und Kontexte neu hinterfragt und ihm eine zeitgenössische Sprache gibt. Regisseurin Lilja Rupprecht, Bühnenbildnerin Anne Ehrlich und Kostümbildnerin Andrea Schraad suchen auf der Ausstattungsseite wieder stärker nach der Antike mit großen Säulen, weiß bemalten Gesichtern wie bei frisch zum Leben erweckte Statuen sowie klaren schwarz-weißen Kostümen, die wiederum Richtung Moderne schielen.
In diesem Raum kann sich das siebenköpfige Ensemble (plus zwei Kinder) ganz dem Text ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
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