Die verspätete Nation

In Weißrussland gibt es interessante Künstler, auch wenn man sie nicht immer versteht

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Eine gute Stunde bin ich jetzt in Weißrussland und fahre auf der Straße nach Minsk. Rechts geht es ab nach Moskau, genau 700 Kilometer, sagt das Verkehrsschild. Nicht viel weiter, gute 1.000 Kilometer, ist es nach Berlin. Trotzdem wird es nur noch ein paar Minuten dauern, bis ich das erste Mal deutlich spüre, wie fremd das Land ist, in dem ich gerade gelandet bin.

Darja zeigt aus dem Auto auf einen riesigen Glaswürfel, der schwer und plump auf einem dicken Ständer sitzt.

«Das ist unsere neue National­bibliothek, sie wurde zu einem der zehn hässlichsten Gebäude der Welt gewählt», sagt sie. Es ist in der Tat ein grotesker Bau, ein entschiedener Versuch, modern zu sein, der noch entschiedener verunglückt ist. Aber nicht das beschäftigt mich, sondern die Mischung aus Stolz und Selbstverachtung, mit der Darja es gesagt hatte: Schau her, so bescheuert sind wir! Aber, immerhin, so tauchen wir wenigstens auf in der Welt, wenn auch nur auf Hässlichkeitslisten!

Darja studiert in Minsk Wirtschaft, sie ist als eine der besten Dame-Spielerinnen Europas immer wieder im Ausland, gerade kommt sie aus den Niederlanden, und spricht, was hier sehr selten ist, Englisch. Trotzdem hat sie diese ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Peter Michalzik:

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