Von allen Furien verlassen
Zurzeit schärfen die Atriden ihre Mordwaffen gern in gutnachbarlichen Wohnzimmern. Stefan Pucher hingegen kümmert sich in seiner Antiken-Variante «Elektra» am Deutschen Theater Berlin wenig um die Banalität der Familie an sich. Sein Interesse gilt eher den Niederungen der Familien-Soap: Wie viel «Denver-Clan» steckt in der Atriden-Dynastie? Welche pop- bzw.
unterhaltungskulturellen Codes, Aufmüpfigkeits- und Racheposen lassen sich auf der Folie der guten alten Schlächter-Sippe lesen? Und, last but not least: Wie versetzt man so einen Pop-Orest am wirkungsvollsten in die Lage, auf der Bühne tatsächlich den optimalen Coolness-Grad zu verströmen?
Ganz einfach: Indem er in ausdrücklicher Verweigerung (küchen-)psychologischer Kurzschlüsse und anderweitiger Innerlichkeitsergüsse abendfüllend Inszenierungsstrategien und popkulturelle Role Models zelebriert. Die Chortexte hat Pucher an eine temporäre Rock-Pop-Formation aus Susanne Wolff, Tabea Bettin und Anita Vulesica delegiert – wobei letztere über weite Strecken als Solistin reüssiert. Und Barbara Ehnes’ Szenario kommt als leicht abgerocktes Showbühnen-Plateau inklusive Band-Platz für die Musiker Michael Mühlhaus und Masha Qrella ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 24
von Christine Wahl
Aachen, Theater
9. Stockmann, Der Mann der die Welt aß
R. Roland Hüve
10. Ibsen, Nora oder Ein Puppenheim
R. Lilli-Hannah Hoepner
18. Jelinek, FaustIn and Out
R. Ludger Engels
Aalen, Theater der Stadt
25. Ibsen, Ein Volksfeind
R. Tonio Kleinknecht
Altenburg/Gera, TPT
31. Becker, Die im Dunkeln (U)
R. Bernhard Stengele
Anklam, Vorpommersche Landesbühne
25. Soyfer, Der...
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...
Dass der Extremschauspieler Joachim Meyerhoff auch jenseits der Bühne maßgebliche Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen hat, wissen wir spätestens seit seinen autobiografischen Leseperformances «Alle Toten fliegen hoch 1–3» an der Wiener Burg vor fünf Jahren: Auf einen Schulweg voller martialisch Glöckchen schwingender Großschweiger oder plastikpistolenbewaffneter...
