Die Uneindeutigen
«Er ist ein Spielkopf»: Das sagt Claudius Körber vom Regisseur Mathias Spaan, mit dem er gerade in Bern einen Tausend-Facetten-«Kaspar» von Peter Handke auf die Bühne gebracht hat. Ein Spielkopf: Nichts könnte ihn selbst besser beschreiben.
Wenn er mit mir am Tisch sitzt, wir wollten eigentlich nur mal einen Kaffee trinken, dann breitet sein Körper einen ganzen Katalog von Theatergestalten vor mir aus, in den Augen flackern die Figuren auf, um den Mund zucken sie, unterschiedlichste Charaktere, der ganze Oberkörper ist unablässig in Bewegung, vorwärts, rückwärts, auf und ab, der Kaffee ist längst kalt.
Die Brust fällt ihm ein und zieht seine Schultern nach unten wie die Mundwinkel, ach was, den ganzen Kiefer, wenn er über seinen Peer Gynt spricht, Graz 2011, ein gieriger Vorstadtjunge. Regie Ingo Berk, die Nachwuchs-Nominierung für den Nestroy folgte. Dann reckt er sich und scheint beinahe über dem Tisch zu schweben, lotgerade wie ein Balletttänzer und durchlässig wie eine Sylphide, wenn wir über die Ophelia sprechen, die er in Barbara Freys Zürcher «Hamlet»-Inszenierung 2018 gendertransgredient verkörperte. Seinen Hamlet hatte er da auch schon im Gepäck, wiederum in Graz 2011 ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Andreas Klaeui
ERÖFFNUNGSSONG
Gustav
Alles was ich berühr wird zu Scheisse Warum hast du mich verlassen, Vater? Du sagtest stets aufgegeben wird nur ein Brief Du führtest mich durch die stürmische Flut, in die Berge, die Straße entlang. Ich brauche dich, Vater Auf Knien bitt ich dich Ich brauche dich, Vater Glaub an mich.
Herzlich Willkommen Schwestern und Brüder Kunstgenießer...
Mit Skandalen ist es so eine Sache, vor allem mit den bestellten. Nach der beabsichtigten Sprengwirkung fehlt es mitunter am feinen Gerät, um den Schutt zu sieben und zu sichten, nicht zuletzt auf mögliches Material für weiterführende Diskurse. Sonst bleibt es bei der großen Geste der Empörung – und bei den Misthaufen, die sich die Kontrahenten gegenseitig...
Stirbt ein Mensch, geht das Leben weiter. Stirbt die Menschheit, stirbt die Zeit. Das ist die tröstlich-traurige Bilanz eines Doppelprojekts der Regisseurin Laura Linnenbaum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Max Porters lyrisch-fantastische Erzählung «Trauer ist ein Ding mit Federn» und Marlen Haushofers Roman «Die Wand» auf der Bühne: erst ein...
