Trilogie des Schreckens
Auch hier werden am Ende die Namen der Opfer des NSU- und nachfolgenden rechten Terrors aufgelistet über die Leinwand flimmern. Ähnlich war diese schändliche Dokumentation schon zu lesen, als das Nürnberger Staatstheater im legendären Saal 600 des Justizgebäudes, also am Original-Schauplatz der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, die Verfahren von 1945 als Doku-Drama (Regie Hans Werner Kroesinger) klug spielerisch aufarbeitete. Nur: Dort ging es um sprödes Justiz-Material, jetzt wurde die Historie literarisch durch die Augen von Elfriede Jelinek gesehen und mit ihren Worten seziert.
Das Ergebnis beider Theater-Ereignisse ist ähnlich: kein Ende der Geschichte. Von den Morden an völlig unschuldigen Menschen heute führt ein direkter Weg zurück zum organisierten Schrecken, den die Nazis vor neunzig Jahren zu verbreiten begannen.
Man konfrontiert sich am Nürnberger Theater massiv mit den Auswirkungen des «NSU-Komplexes». Zu den beiden Aufführungen gab und gibt es noch zahlreiche Sonderveranstaltungen, Gesprächsrunden, Performances, Workshops, Konzerte, eine Oper usw. Aber Nürnberg als einstige Stadt der Reichsparteitage, als Hitlers liebste Bühne, auf der dann in der Gegenwart ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2022
Rubrik: Der NSU-Komplex, Seite 45
von Bernd Noack
Kaum zu glauben, dass es sich hier um den Theatersaal des Grillo Theaters handelt. Umzingelt von kinogroßen Leinwänden, verteilt auf Drehstühlen sitzt das Publikum im leeren Raum. Mitten im Geschehen. Mal sind die Schauspieler:innen zum Greifen nahe, dann erscheinen sie nur im Film. Bereits beim Einlass bekommt man über die vielen Leinwände simultane Einblicke in...
Irgendwann setzte sich dann im Kreise der Berliner Bekannten die Redeweise durch: «Machen wir’s wie die Volksbühne?» Was ungefähr bedeuten sollte: Hauen wir nicht auf die Pauke, ducken wir uns weg, schlüpfen wir irgendwie durch. Nennen wir es «soft start». Das war nach dem dritten Monat, der auf einen viel zu stillen Sommer folgte, da man Premieren mit der Lupe...
In Karlsruhe geht die Bombe gleich am Anfang hoch. Der «gute Gott» überreicht Jennifer ein Paket. Dann knallt’s. In Ingeborg Bachmanns Hörspiel «Der gute Gott von Manhattan» von 1957 steht die Szene am Ende. Es ist aber noch weiteres anders in der Karlsruher Bühnenfassung, die Anaïs Durand-Mauptit inszeniert hat – als Bachelorarbeit im Fach Regie, das sie an der...
