Die Überbringer der Botschaft
Wer hätte gedacht, dass der Puls der Zeit noch schneller schreibt als Elfriede Jelinek? Ihr Textkonvolut «Wut», angeregt von der Empörung über das Attentat auf «Charlie Hebdo», den Überfall auf den jüdischen Supermarkt in Paris und die folgenden Terroranschläge vom November 2015, stammt noch aus einer Zeit vor der englischen Brexit-Entscheidung, vor der Wahl von Donald Trump und vor Erdogans Umbau der Türkei in einen totalitären Staat.
Das System der liberalen Demokratien, auf das man im Westen dies- und jenseits des Atlantiks immer so stolz war, dass man es schon für das Ende der Geschichte gehalten hat, wird gerade von radikalislamischen, nationalistischen, isolationistischen und anderschauvinistischen Impulsen und Strömungen gründlich zerlegt. Aber auch E. J. fackelt nicht lange und strickt schon an ihrem nächsten Stück über Donald Trump.
Wobei bereits in «Wut» einiges überzeitlich Aktuelle zusammenkommt. Von Dschihadisten-Sprüchen und Gotteskrieger-Predigern bis zum Völkermord in Ruanda und dem Amoklauf des rasenden Herakles reicht das schäumende Panorama. Eingestreut sind auch weniger gewalttätige Wut-Fälle wie Pegida, AfD, Shitstorms, aufrechte nationalistische Europäer ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Mühlheimer Theatertage NRW «Stücke», Seite 26
von Franz Wille
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