Die Stille des Verstecks

In seiner neuen Arbeit «Nobody is there» bringt das Künstler:innenduo Hofmann& Lindholm sein Publikum zum Verschwinden

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Ich hocke wie Polonius hinterm Vorhang. Achte darauf, dass meine Schuhspitzen unsichtbar bleiben, der Vorhangspalt vollständig geschlossen, mein Atem ruhig. Hoffe ohnehin, dass der verborgene Körper sich nicht zu Wort meldet, durch Magenknurren, Niesen, Schluckauf. Dabei weiß mein Gegenüber, anders als Hamlet, dass jemand da ist. Um mein Leben muss ich nicht fürchten.

Oder? Wie bin ich hier hineingeraten, hinter die Gardine im Schlafzimmer einer Altbauwohnung im Frankfurter Westen? In diesen höchst privaten Raum, in dem keine theatrale Verabredung gültig ist, und in den mich doch das Theater gebracht hat? 

«Nobody is there» heißt das neue Projekt des Künstler:innenduos Hofmann&Lindholm, das einzelne Zuschauer:innen – nach vorheriger Absprache – in Privatwohnungen versteckt, wo sie für dreißig Minuten zu Voyeur:innen oder besser: zu Zeug:innen des anderen, fremden Lebens werden. Eine Begegnung im Verborgenen, die sich nicht inszenieren lässt, auf die auch die Künstler:innen selbst nicht zugreifen können, in der scheinbar alles möglich ist. Ein ungeregelter Zwischenraum. Erschreckend, aufregend, vielversprechend. Was wird meine Gastgeberin – denn dass es eine Frau ist, glaube ich ...

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Theater heute November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Esther Boldt

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