Die Macht und die Demokratie

«Erstürmt die Höhen der Kultur» – eine dichte Fallsammlung zum «Umkämpften Theater in der DDR»

Theater heute - Logo

Manfred Karge, Schauspieler, Stückeschreiber, Regisseur konnte (oft zusammen mit Matthias Langhoff ), von der Künstleragentur der DDR unterstützt, seit den 1970er Jahren im Westen arbeiten, u. a. an den von Claus Peymann geleiteten Bühnen in Bochum und Wien. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Hermann Wündrich hat er im Berliner Ensemble unter der Intendanz Peymanns von 2013 bis 2017 eine Lesereihe zu umkämpftem und missliebigem Theater in der DDR bestritten. Aus diesem Material haben Karge und Wündrich nun das spannende Theaterbuch «Erstürmt die Höhen der Kultur!» montiert.

Mit ihrer Sammlung von Dokumenten, Stories, Berichten und Gesprächen liefern sie eine wichtige Ergänzung zur bisher bekannten Theatergeschichte der DDR. 

Vieles war eben doch ganz anders. Und die in diesem Buch zu findende «Erkenntnis» kann, davon sind, Brechts «Fatzer» zitierend, Karge und Wündrich überzeugt, «an einem anderen Ort gebraucht werden, als wo sie gefunden wurde». Die Auswahl der Fälle von vergessenen und verbotenen Stücken ist nicht repräsentativ, Ratgeber waren persönliche Vorlieben, Erinnerungen und der Zufall. Sie zeigt auch deutlich, welche große Bedeutung die maßgeblichen Politiker und die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Völker

Weitere Beiträge
Die Verwandlung

Wie ein zerbrechliches Porzellanpüppchen steht sie da, diese Marquise von O. Steht auf der Bühne wie bestellt und nicht abgeholt. Fest klammert sie ihre Hände an ihren Reifrock, während drei eigenwillige Ladies katzenhaft um sie herumstreifen. Abfällig wissend erzählen sie die Kleistsche Novelle aus dem Jahre 1808, die Geschichte von «julietta marquise von...

Im Setzkasten

Weder Seelenfrieden-Tee noch Putztherapie: Diesem Mann (Philippe Goos) ist nicht zu helfen. Er ist ein hektischer Hysteriker, ein dauernervöser Hypochonder, eine Drama-Queen, ein Herzinfarkt-Kandidat, eine Heulsuse. Er ist «Der eingebildete Kranke» aus Martin Heckmanns Molière-Überschreibung. Anne Lenk inszeniert das Stück – wie auch ihre zum Theatertreffen 2021...

Mehrzweckraum des Grauens

Die Kunst des intelligenten Trollens besteht darin, das Gegenüber so zu reizen, dass es sich selbst diskreditiert. Im Netz klappt das prächtig, manchmal unfreiwillig. Beispiel Twitter: Man kann dort einen Hamburger Innensenator als «Pimmel» bezeichnen, was zunächst nicht so intelligent klingt. Heißt dieser Andy Grote und reagiert die ihm  unterstellte Polizei auf...