Die Spur der Seife

Zur Sprache gebracht: Vom inneren Ohr über das totale Schallspiel zum menschenleeren Hörspiel

Theater heute - Logo

Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung von inneren Bewegungen geeignet. «Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein», lautete das Credo dieser Ästhetik.

Seitdem galt das Gehör als nobler Tiefsinn gegenüber den vulgären Oberflächenreizen des Visuellen. Der Sound der Innerlichkeit wurde zum festen Bestandteil des Genres. Dass das nicht notwendig so sein musste, konnte man zeitgleich in Amerika lernen, wo allen voran vom Kosmetikkonzern Lux das werbefreundliche Programmumfeld erfunden wurde, besser bekannt unter der Gattungsbezeichnung «Seifenoper». Experimente mit der Materialität des Radios, wie sie beispielsweise der Film- und Radiopionier Walter Ruttmann 1929 mit seiner Klangcollage «Weekend» machte, erweiterten das Genre, blieben jedoch Ausnahmen. 

 

Francis Ponges Kieselstein

Bis Ende der fünfziger Jahre blieb das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 64
von Jochen Meißner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Prinzip männliches Handeln

Dieser Parzival ist ein Pumuckl. Nicht äußerlich, da sieht er eher aus wie Mogli aus dem Dschungelbuch, ein nacktes Jüngelchen mit windelartigem Schurz. Aber innerlich. Ein Lausbub von begrenztem Intellekt, dafür mit ausgeprägter Klabauterschläue. Ein sympathischer Egoist, der zwar von Gott redet als einem Baum, dessen Blatt er ist, für den in Wahrheit aber dieses...

Krieg aus dem Modellbaukasten

Den ganzen Tag über schon hatten sich die Menschen an den Händen gefasst, hatten Lichterketten gebildet und waren bedrückt, gleichwohl befreit vor Gräbern und an Mahnmalen gestanden. Präsidenten beschworen den Frieden, Veteranen gedachten der letzten verhallten Schüsse, das Volk schwenkte Fähnchen: Nie wieder! Der Krieg war 60 Jahre vorbei an diesem Muttertag im...

Notizen

1. Klasse

Die Wege des Herrn sind unergründlich: Nachdem Bundespräsident Köhler noch kürzlich gegen das Regietheater gewettert hatte («Ein ganzer ‹Tell›, ein ganzer ‹Don Carlos›, das ist doch was!»), erhielt nun in seinem Auftrag der langjährige Direktor und Alleingesellschafter der Berliner Schaubühne, Jürgen Schitthelm, das Verdienstkreuz 1. Klasse des...