Die Spur der Seife
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung von inneren Bewegungen geeignet. «Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein», lautete das Credo dieser Ästhetik.
Seitdem galt das Gehör als nobler Tiefsinn gegenüber den vulgären Oberflächenreizen des Visuellen. Der Sound der Innerlichkeit wurde zum festen Bestandteil des Genres. Dass das nicht notwendig so sein musste, konnte man zeitgleich in Amerika lernen, wo allen voran vom Kosmetikkonzern Lux das werbefreundliche Programmumfeld erfunden wurde, besser bekannt unter der Gattungsbezeichnung «Seifenoper». Experimente mit der Materialität des Radios, wie sie beispielsweise der Film- und Radiopionier Walter Ruttmann 1929 mit seiner Klangcollage «Weekend» machte, erweiterten das Genre, blieben jedoch Ausnahmen.
Francis Ponges Kieselstein
Bis Ende der fünfziger Jahre blieb das ...
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