Die röhrenden Kerle

Shakespeare «Macbeth» (Pfauen), Schimmelpfennig «Hier und Jetzt»

Theater heute - Logo

Der Anfang ist ein klassisches Nübling-Gewitter. Rund 20 wildgewordene Börsianer, die im Rudel rennen und schreien und die Fäuste recken. Dazwischen die kleine Katharina Schmalenberg als Lady Macduff, die eiskalt sinkende, dann steigende Aktienkurse ausruft. Dann tritt ein ruhiger, guruhafter Duncan ins junge Gebrüll, denkt laut über seinen Nachfolger nach und erklärt die Marktwirtschaft – Siggi Schwientek macht das mit hinterhältiger Würde. Über den Köpfen der Männer, auf einer riesigen Anzeigetafel, rattern jetzt keine Zahlen mehr, sondern Buchstaben.

KING und KILL hat Bühnenbildnerin Muriel Gerstner übereinander gestellt. Macbeths Widersacher Malcolm ist zweifach besetzt: Es geht hier nicht mehr um Individuen. Nur noch um Gewinner-Strategien und Verlierer, klar, schnell, elektrisierend.

Doch dann erobert sich das Stück peu à peu wieder das alte Königsdramen-Territorium zurück, das Nübling doch so frech in eine zeitgenössische Börse übersetzen wollte. Die Deutungen schwanken von Zwischenhochs – Lady Macduffs unterkühlter Totengräber-Song zu den Zeilen von «Fair is foul and foul is fair» – zu echten Baissen. Elend lange ist da zum Beispiel der lustige Pförtner (Tim Porath) mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Selbstverständlich neu

Antigone hat ein Problem. Das hat sie seit mehr als 2400 Jahren, als Sophokles ihre Geschichte aufschrieb. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ihr Bruder verübte einen Selbstmordanschlag auf das Haus, in dem sie mit Haimon und ihrem Schwiegervater Kreon wohnt; dieser mutiert vom demokratischen Präsidenten zum angstzerfressenen Diktator, sie von einer...

Kampf den Erzählsträngen

Ka schlägt den Kragen hoch, denn es ist kalt in Kars, am Ostrand der Türkei. Das ist kein Ägäishoteldorf, das ist Anatolien. Es schneit in Kars. Und man hängt sich auf in Kars. Oder steckt den Kopf in den Gasherd. Reihenweise bringen sich unglückliche Töchter um. Außerdem stehen Wahlen an. Und dazu dieser Kopftuchstreit. Wer sein Haar verhüllt, wer sich kleidet,...

Beim Sex und in der Kunst gibt es keinen Fortschritt

Schauspielstudenten haben es gut. Sie werden oft schon beim zweiten Intendantenvorspiel oder Schauspielschultreffen aus dem dritten Ausbildungsjahr direkt ins Stadttheater wegge­castet (für Schauspielstudenten machen Hochschulreform und Bachelor daher wirklich Sinn) – ein staatlich subventionierter Übergang in den Beruf. Nur der Fokus Regie hat sich bei den...