Der blöde Mensch
"Alles trocken." Die junge Kollegin kann nicht mehr weinen, seit sie den perfekten Moment erlebt hat, in dem sie beim Spielen selbst glaubte, sich und alle Zuschauer in ein anderes Sein befördert zu haben. Noch wundert sie sich, dass dieser Moment nicht wieder herstellbar ist – wie der Dornenauszieher in Kleists «Marionettentheater». Marcelline wundert sich schon lange nicht mehr, zu sehr ist ihr die Suche nach dem Wirklichen in der Kunst in Fleisch und Blut übergegangen, zu lange schon ist sie unterwegs zu dem ursprünglichen, dem unschuldigsten Impuls.
Ihr täglich Brot ist es, an der Frage zu scheitern, auf welche Art eine Figur die Tür öffnet. Da wird die Schauspielerin so dumm, dass sie nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, ob sie selber Links- oder Rechtshänderin sei. Zu groß ist die Anzahl der Möglichkeiten, zu vielschichtig die Optionen – wer weiß, wo der Schauspieler endet und die Figur beginnt? Und was ist in der Erfindung schon zwingend?
Zwingend sind die Fakten: Marcelline ist vierzig, allein und kinderlos. Ausgerechnet bei den Proben zu Turgenjews «Ein Monat auf dem Lande» wird ihr klar, dass sie ihre Blüte, an sich selbst vorbei, auf die Bühne gewuchtet hat. Emsig hat ...
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