Facetten des Müßiggangs

Georg Büchner «Leonce und Lena»

Theater heute - Logo

Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu viel Respekt vor dem zartgliedrig melancholischen Text ist Claudia Bauers Sache nicht; sie leistet sich eine frech-aggressive Attacke gegen verordnete Langeweile, gegen Müßiggang als Folge erzwungener Untätigkeit.



Ein junger Mann mitten im Zuschauerblock mault mürrisch vor sich hin, als eine sanfte Frauenstimme aus dem Off Fragen nach dem Sinn des Lebens stellt, und wird dafür von seinem Nebenmann gemaßregelt: Prinz Leonce (Jonas Hien) und Staatssekretär (Jörg Lichtensein) im exponierenden Clinch. Letzterer blieb von Büchners Staatsrat als einziger übrig und bewährt sich als wegweisender Repräsentant der Marktwirtschaft. Später wird er als sozialpädagogisch ambitionierter Berater eine verschüchterte Dame – nicht ohne Mühe gerade noch als mitspielende Kollegin auszumachen – aus dem Publikum holen und ihr mit angemessener ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Erika Stephan

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Bitte ohne Schusswaffen reisen»

Allen Unkenrufen zum Trotz hängen keine Kokainpäckchen an den Zweigen des Waldes von Birnam, als der sich – Jürgen Gosch hat es in ein ebenso einfaches wie sinnfälliges Bild gefasst – auf das Schloss des finsteren Macbeth zubewegt. Was nicht heißt, dass Kolumbien das Drogen- und das Gewaltproblem bereits unter Kontrolle hätte, aber sagen wir es so: Man arbeitet...

Schneider, Monroe, Deneuve

«Sie war nicht der Kumpel­typ», bestätigt auch Jaecki Schwarz, Gröllmanns Partner in diversen DEFA- und Nachwende-TV-Produktionen, bevor sein Kollege Hermann Beyer das Sujet in abstraktere Gefilde hebt: «Richtung Romy Schneider, würd’ ich denken.» Es ist dann an Michael Gwisdek, das Spektrum noch ein wenig zu erweitern: «Monroe, Deneuve – das war Jenny in der DDR.»...

Chanel forever

Das Jahr 2175 wird niemand herbeisehnen, jedenfalls wenn es nach Anja Hilling geht. Ihr Science-Fiction-Szenario entwirft eine Welt nach der Klimakatastrophe, in der sich keiner ungestraft der frischen Luft aussetzt und jeder Sonnenanbeter bei lebendigem Leib gegrillt würde. Stattdessen behilft man sich mit bescheidenen Innenwelten: Eine Spezialfirma bietet...