Die Puppe – Kunstfigur, Ichfigur
Nach ihren zwei ersten Theaterstücken veröffentlichte Elfriede Jelinek im Jahr 1983 in der Zeitschrift «Theater heute» eine kernige Absage an das Theater heute, mit der sie rücksichtslos an dessen Grundfesten rüttelt. Ihr Text «Ich möchte seicht sein» erzeugte bei den Bühnen schnell eine gewisse Gereiztheit.
Denn für die Betroffenen, Regisseure, Schauspieler, klangen Sätze wie diese höchst verächtlich: «Wenn der Herr Regisseur in die Ewigkeit hineingreift und etwas Zappelndes herausholt, dann ermordet er alles, was war, und seine Inszenierung, die doch ihrerseits auf Wiederholung gegründet ist, wird zum Einzigen, das sein kann.» Oder gar gefährlich: «Wie entfernen wir diese Schmutzflecken Schauspieler aus dem Theater?» Worauf sie einschlug, ließe sich vielleicht mit dem Begriff «Burgtheater» auf einen Nenner bringen; ihr folgendes Theaterstück von 1985 trug diesen Titel, und sein Wahnwitz führt die Quint -essenz des Traktats vor Augen: «Ich will keinen sakralen Geschmack von Göttlichem zum Lebenerwecken auf der Bühne haben. Ich will kein Theater».
Als Überzeugungsarbeit für ihre Schauspiele lieferte die Attacke spitze Stolpersteine. Die zuständigen Kontaktpersonen in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2022
Rubrik: Essay, Seite 42
von Ute Nyssen
Die Show ist längst vorbei, wenn der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson seine sehr freie Version von Shakespeares abgründigem Märchen -stück «Der Sturm» im Burgtheater beginnen lässt. Eine Band spielt Rausschmeißer-Nummern (von Lou Reeds «Perfect Day» bis zu AB-BAs «The Winner Takes It All»), Gabriel Cazes am Klavier hat sich ungewöhnliche Versionen der...
Mit dem Arbeiten ist es ungefähr so. Man tut dies oder jenes, in der Hoffnung, etwas würde danach besser sein als zuvor. Man nimmt ungeordnete Gedanken, schreibt sie auf und hofft, der Sinn möge sich einstellen; nimmt rohe Dinge und hofft, gekocht mögen sie schmecken, trägt Zeug von A nach B und hofft, dort möge es richtig sein. Denn dann wäre alles prima. Fast....
Der Schriftsteller Édouard Louis, 1992 noch unter dem Namen Eddy Bellegueulle im nordfranzö -sischen Hallencourt geboren, hat erneut ein (sehr schmales) Buch über ein Mitglied seiner proletarischen Familie geschrieben: Auf seinen Vaterro -man «Wer hat meinen Vater umgebracht?» folgt nun das Mutterbuch «Die Freiheit einer Frau». Paul Behren, der in Falk Richters...
