Der Berg flucht
Die Show ist längst vorbei, wenn der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson seine sehr freie Version von Shakespeares abgründigem Märchen -stück «Der Sturm» im Burgtheater beginnen lässt. Eine Band spielt Rausschmeißer-Nummern (von Lou Reeds «Perfect Day» bis zu AB-BAs «The Winner Takes It All»), Gabriel Cazes am Klavier hat sich ungewöhnliche Versionen der Hits ausgedacht. Roland Koch überrascht an der Trompete, und Maria Happel greift melancholisch ins Akkordeon. Das Ensemble huscht über die langsam rotierende Drehbühne, Theaternebel weht.
Eine schöne Beiläufigkeit macht sich breit. In den ersten 20 Minuten kommt die Inszenierung ganz ohne Dialoge aus. Der Stoff, aus dem die Träume sind, eines der berühmtesten Zitate aus dem Stück, ist schwer zu fassen: Bei Arnarsson erklingt Musik, wo Worte versagen.
Leider geht es dann aber doch wieder da -rum, ein Stück zu erzählen, das als Komödie daherkommt, dafür aber reichlich düster ist. Wie schafft man die Balance zwischen Witz und Wokeness? Eine Herausforderung, an der viele Theaterabende scheitern. Shakespeare verhandelt in seinem Spätwerk «Der Sturm» Kolonialismus und Rassismus. Der auf einer Insel gestrandete Herzog und ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Karin Cerny
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