Die Macht am Rhein

Ferdinand Schmalz’ «hildensaga» in Worms erzählt den Nibelungenmythos mit starken Frauen, viel Wasser und den bestechend heutigen Einsichten von Thomas Hobbes. Der Stückabdruck liegt diesem Heft bei

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Bevor es losgeht in der Nibelungenwalstatt vor dem Wormser Dom, ist einiger strategischer Weitblick nötig. Circa 1500 erwartungsfreudige deutsche Mythenfreund:innen verteilen sich Apéro schwenkend in einer weitläufigen, vorbildlich organisierten Erlebnisgastronomie mit Merchandising- und Selfie-Bereich zwischen Barjazz und Nibelungen-Kneippbrunnen – einem mit blutrotem Wasser gefüllten knöcheltiefen länglichen Becken –, bis der Weg dann ganz hinten rechts zur imposant ansteigenden Zuschauertribüne führt (40 Reihen à 38 Plätze).

Wer es dorthin halbwegs nüchtern geschafft hat, den wird kein Feuerdrache mehr aus der Fassung bringen. 

Erheblichen geopolitischen Weitblick bringt auf jeden Fall der wackere Hagen mit, der sich keine großen Illusionen über seinen feierlaunigen Burgunder-König macht: «so schwach du bist, du bist doch könig, gunther / wie wölfe lauern schon die feinde rings um worms.» Was käme da gelegener als eine körperkräftige Isenkönigin wie Brünhild an seiner Seite? Im Übrigen bleibt Recke Hagen gerne dezent im Hintergrund, ein Strippenzieher und Chef -disponent der Macht, der allerdings vor zweckdienlichen Übergriffen wie Mord, Vergewaltigung oder Betrug nicht ...

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Theater heute 10 2022
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Franz Wille

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