Dissidenten aller Länder, vereinigt euch!
«Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt.» (Carl Schmitt)
Krieg, grassierender Nationalismus, Klimakatastrophe, Inflation, Energiepreisexplosion, riesige sozioökonomische Krise. All das hängt zusammen und verstärkt sich wechselseitig und lässt sich – wenn überhaupt – nur in einer weltweiten gemeinsamen Kraftanstrengung bekämpfen, über alle politischen Gegensätze hinweg. Dazu trägt die Tendenz zum Kommunikationsabruch, die wir gerade erleben, sicher nicht bei.
Nichtkommunikation und Gewalt(-androhung) gelten plötzlich als ganz normaler Umgang zwischen Nationen. Kriegsbegeisterung macht sich breit. Wer etwas dagegen hat und ernsthaft Verhandlungen anmahnt, betreibt das Geschäft des Feindes, gleichgültig, wo er herkommt. Das ist zur Zeit der einzige Konsens, den es zwischen der Ukraine und Russland gibt. Und auch bei uns ist dieser Kurzschluss weit verbreitet. Die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln scheint nur noch eine Möglichkeit zu kennen: vollständige Unterwerfung des Feindes und anschließende Sicherheitsverwahrung. Es wird nicht diskutiert. Mit dem Feind spricht man nicht. Seine Kultur und Geschichte werden getilgt. Er muss erstmal vernichtet werden, dann kann man ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Carl Hegemann
Der Krieg, von dem auf der Bühne erzählt werden soll, ist der, der schon vor dem 24. Februar 2022 im Osten der Ukraine herrschte. Drei von fünf relativ jungen Menschen haben in ihm gekämpft: Katya Kotliarova und Slavik Gavianets als Sol -datin und Soldat an der Front, der Schauspieler Roman Kryvdyk als Sanitäter. Oxana Cherkashyna, ebenfalls Profi-Schauspielerin,...
Eines der größeren Missverständnisse seiner Bücher hat Hans-Thies Lehmann selbst nicht aus der Welt schaffen können. Trotz seiner wiederholten Bekräftigung ging es im «Postdramatischen Theater» (1999) nicht um eine neue Dramentheorie, es ging auch nicht um die Ab -schaffung des Dramas, sondern es ging ihm um eine weiter greifende Theaterästhetik; er hatte auch...
Stalin soll derart panische Angst vor einem Attentat gehabt haben, dass seine Leibwächter wiederum panische Angst hatten, ohne ausdrücklichen Befehl das Schlafzimmer des «Stählernen» zu betreten. Als er eines Morgens infolge eines Schlaganfalls zusammenbrach, lag er wohl stundenlang vor seinem Bett, bis endlich jemand wagte, die Tür zu öffnen. Da war es allerdings...
