Dissidenten aller Länder, vereinigt euch!
«Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt.» (Carl Schmitt)
Krieg, grassierender Nationalismus, Klimakatastrophe, Inflation, Energiepreisexplosion, riesige sozioökonomische Krise. All das hängt zusammen und verstärkt sich wechselseitig und lässt sich – wenn überhaupt – nur in einer weltweiten gemeinsamen Kraftanstrengung bekämpfen, über alle politischen Gegensätze hinweg. Dazu trägt die Tendenz zum Kommunikationsabruch, die wir gerade erleben, sicher nicht bei.
Nichtkommunikation und Gewalt(-androhung) gelten plötzlich als ganz normaler Umgang zwischen Nationen. Kriegsbegeisterung macht sich breit. Wer etwas dagegen hat und ernsthaft Verhandlungen anmahnt, betreibt das Geschäft des Feindes, gleichgültig, wo er herkommt. Das ist zur Zeit der einzige Konsens, den es zwischen der Ukraine und Russland gibt. Und auch bei uns ist dieser Kurzschluss weit verbreitet. Die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln scheint nur noch eine Möglichkeit zu kennen: vollständige Unterwerfung des Feindes und anschließende Sicherheitsverwahrung. Es wird nicht diskutiert. Mit dem Feind spricht man nicht. Seine Kultur und Geschichte werden getilgt. Er muss erstmal vernichtet werden, dann kann man ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Carl Hegemann
So ziemlich alles an der mittelgroßen Provinzstadt ist durchdrungen vom Militär: Die Garnison ist wichtig für das städtische Zusammenleben, man trifft kaum jemanden, der sich nicht mit Dienstgrad vorstellt, und wenn einer wie Baron Tusenbach (Matthieu Svetchine) der Armee eher distanziert gegenübersteht, dann macht ihn das zum Außenseiter. Zwar wird noch marschiert...
Ich kann mich nicht beklagen über die Zeit mit ihm in Gießen vor 40 Jahren und auch nicht über die letzten Jahre zwischen 2016 bis 2019, in denen er uns oft in der Volksbühne besucht hat. Wo er 2016 mit Martin Wuttke und mir nach Proben geredet hat, oder mit mir in der Kantine. Ich hab jetzt gerade, wo ich über ihn nachdenke, das Gefühl, er hat alle Abende von mir...
Was soll das denn heißen? Dief Gein?», fragt eine Passantin. Karotten und Frühlingszwiebeln im Einkaufskorb, kommt sie offenbar gerade vom Wochenmarkt auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz. Forsch, fast gereizt, ruft sie ihre Frage in Richtung der Holzbude, die vor dem kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig aufgestellt ist. Die junge Frau, die dort für das...
