Die Liebe in Zeiten der Revolution
Ein Hausflur, vollgepumpt mit Tränengas. Die Berlinerin Janina und die Istanbulerin Umut, beide Mitte 20, lernen sich im Juni 2013 an einem ungemütlichen Ort kennen: inmitten der Proteste gegen die Zerstörung des Gezi-Parks in Istanbul, als die Polizei massiv gegen die ParkbesetzerInnen vorgeht. Janina ist zufällig hineingeraten, Umut als Aktivistin der LGBTQ-Community und der Friedensbewegung. Es entwickelt sich eine innige Liebesbeziehung zwischen den beiden – allerdings vor allem eine aus der Ferne.
Zusammenwohnen in Berlin oder Istanbul? Keine kann sich für ein Leben in der Stadt der anderen entscheiden.
In «Last park standing», einem Stück der türkischen Dramatikerin Ebru Nihan Celkan, das jetzt als deutsche Erstaufführung am Kammertheater des Stuttgarter Staatsschauspiels Premiere hatte, geht es um ein Thema, das sehr viele junge türkische Intellektuelle betreffen dürfte: Gibt es unter den derzeitigen politischen Zuständen in der Türkei eine Zukunft für sie? Celkan zeigt das in ihrem Stück sehr deutlich: wie sie funktionieren, die subtilen, perfiden Unterdrückungsmethoden, mit denen der Autokrat Erdogan und sein Polizei- und Spitzelstaat gegen Andersdenkende, gegen ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Verena Großkreutz
Wir sind hier aufgewacht» – so hätte die erste Premiere passend heißen sollen, mit der Andreas Beck seine Intendanz am Münchner Residenztheater eigentlich eröffnen wollte. Eine Versuchsanordnung über das Geworfensein des Menschen in die Welt hatte Regisseur Simon Stone auf der Basis von Calderón und Marivaux entwickelt und halb geprobt, als er die Nachricht bekam,...
«30 Jahre Mauerfall» oder «30 Jahre friedliche Revolution»? – Der November war ein Monat, in dem man Erinnerungspolitik wie unter einem Brennglas beobachten konnte. Die offiziellen Feierlichkeiten konzentrierten sich auf den 9.11., in vielen Theatern, vor allem im Osten, wurde auch an den 4.11. erinnert – den Jahrestag der größten Protestdemonstration in der DDR....
Wie schnell man einen Ausnahmezustand für die Normalität halten kann, zeigt sich, wenn man das Ungewöhnliche der Ausnahme unter die Nase gerieben bekommt. Zum Beispiel im Genre des zeitgenössischen Zirkus. Dort lassen Artisten auch die absonderlichsten Leistungen meistens ganz leicht aussehen – ob sie sich nun zu Drei-Mann-Türmen übereinander stapeln oder einander...
