Die Liebe in Zeiten der Revolution
Ein Hausflur, vollgepumpt mit Tränengas. Die Berlinerin Janina und die Istanbulerin Umut, beide Mitte 20, lernen sich im Juni 2013 an einem ungemütlichen Ort kennen: inmitten der Proteste gegen die Zerstörung des Gezi-Parks in Istanbul, als die Polizei massiv gegen die ParkbesetzerInnen vorgeht. Janina ist zufällig hineingeraten, Umut als Aktivistin der LGBTQ-Community und der Friedensbewegung. Es entwickelt sich eine innige Liebesbeziehung zwischen den beiden – allerdings vor allem eine aus der Ferne.
Zusammenwohnen in Berlin oder Istanbul? Keine kann sich für ein Leben in der Stadt der anderen entscheiden.
In «Last park standing», einem Stück der türkischen Dramatikerin Ebru Nihan Celkan, das jetzt als deutsche Erstaufführung am Kammertheater des Stuttgarter Staatsschauspiels Premiere hatte, geht es um ein Thema, das sehr viele junge türkische Intellektuelle betreffen dürfte: Gibt es unter den derzeitigen politischen Zuständen in der Türkei eine Zukunft für sie? Celkan zeigt das in ihrem Stück sehr deutlich: wie sie funktionieren, die subtilen, perfiden Unterdrückungsmethoden, mit denen der Autokrat Erdogan und sein Polizei- und Spitzelstaat gegen Andersdenkende, gegen ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Verena Großkreutz
Nein, keine besonderen Neuigkeiten. Wer sich durch das eindrucksvollste Zahlenwerk zum deutschen Theater, die gerade erschienene Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins 2017/2018 blättert, sieht auf den ersten Blick business as usual. Keine Abstürze, keine steilen Zuwächse. Der Motor brummt.
Auf den zweiten Blick brummt der Motor immer noch, allerdings...
Deutschland ist eine unbeschriebene Landkarte, ein weißer Fleck zwischen Nichts und Nichts, ganz nah bei Detmold. Und auf diesem leeren Podest aus hellem Holz, das sich schräg nach hinten verlängert, lässt Dusan David Parizek den deutschen Urmythos Hermannsschlacht in der Kleistschen Version aufspielen. Das Figurentableau schrumpft dabei auf ein Kammerspiel...
«Azione», ruft Milo Rau. Blutend wird Jesus die engen Gassen hinaufgetrieben. Hinter ihm, in der kühlen Sonne des frühen Oktobertages, weiten sich wie gestapelte Bausteine die Höhlen der Sassi im süditalienischen Matera, seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe und 2019 europäische Kulturhauptstadt. In Matera wurden schon viele Jesus-Filme gedreht, am bekanntesten das...
