Sand im Getriebe
Ein Buch wie ihr Spiel, ein freies Schweifen, Assoziieren, sich treiben lassen: durchs Schöne und Schäbige, das Kleine und das Große, der Rittersporn so wichtig wie die Iphigenie, das Theater nur eine Lebens-Facette von vielen. Angela Winkler, das ewige Mädchen, die Unverwechselbare und Unberechenbare, hat keine Memoiren geschrieben, sondern mit Hilfe ihrer langjährigen Wegbegleiterin, der Dramaturgin Brigitte Landes, ihre Erinnerungen ein wenig sortiert, ihre Tagebücher gesichtet, ihr Leben in leichten Sprüngen erzählt.
Ihre «autobiographischen Skizzen» sind ein Kaleidoskop von Naturerlebnissen, Anekdoten (gerne von Autos und von Hunden), vom Schweren und vom Schönen – und Fotos, viel mehr Fotos von ihren Kindern, ihren Häusern, als vom Theater.
Ein Leben, das 1944 im brandenburgischen Templin der anderen Angela beginnt; aber schnell verlässt die Familie die DDR, erst nach Hamburg, danach eine Odyssee bis nach Süddeutschland. Sie ist fünf, als der Vater aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Wir erfahren nicht viel über Herkunft und Familie, nur dass sie die Schule nicht mochte, so wenig wie die Schauspielschule in Stuttgart, die sie verlässt, um in München bei ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Büchermagazin, Seite 42
von Barbara Burckhardt
«Erz des Friedens», ein Gedicht, das Werner Kunz 1972 anlässlich des 500-jährigen Bergbau-Jubiläums im Erzgebirge veröffentlichte, gehört zu den absurdesten Verklärungen, die das ideologische «Kaderwelsch» (Brecht) der DDR hervorgebracht hat, um den realsozialistischen Alltag unter ihr utopisches Weltbild zu zwingen. Es romantisiert nichts Geringeres als den...
Deutschland ist eine unbeschriebene Landkarte, ein weißer Fleck zwischen Nichts und Nichts, ganz nah bei Detmold. Und auf diesem leeren Podest aus hellem Holz, das sich schräg nach hinten verlängert, lässt Dusan David Parizek den deutschen Urmythos Hermannsschlacht in der Kleistschen Version aufspielen. Das Figurentableau schrumpft dabei auf ein Kammerspiel...
«Azione», ruft Milo Rau. Blutend wird Jesus die engen Gassen hinaufgetrieben. Hinter ihm, in der kühlen Sonne des frühen Oktobertages, weiten sich wie gestapelte Bausteine die Höhlen der Sassi im süditalienischen Matera, seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe und 2019 europäische Kulturhauptstadt. In Matera wurden schon viele Jesus-Filme gedreht, am bekanntesten das...
