Die Kunst des Widerstands

Timofej Kuljabin inszeniert Bulgakows «Der Meister und Margarita» am Schauspiel Frankfurt, Martin Kušej aktualisiert Thomas Bernhards «Vor dem Ruhestand» am Stuttgarter Schauspielhaus

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Jede irdische Macht ist Gewalt über Menschen, und die Zeit wird kommen, da es keine Cäsaren mehr geben wird. Der Mensch tritt ein ins Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, wo keine Macht mehr vonnöten sein wird.» Diese Prophezeiung trifft in Michail Bulgakows fantastisch verschachteltem Literaturmärchen «Der Meister und Margarita» ein gewisser Jeschua Ha-Nozri, in Nazareth.

Eine Romanfigur im doppelten Sinne, denn Bulgakows namenloser Protagonist, der «Meister», schreibt seinerseits eine Erzählung über den römischen Statthalter Pontius Pilatus, und der lässt eben jenen Jeschua wider besseren Wissens ans Kreuz schlagen. Das Manuskript birgt mehrfachen Sprengstoff – es behandelt religiöse Figuren und handelt von fehlbaren Herrschern: Grund genug für den Schriftstellerverband, den Meister aus dem Verkehr zu ziehen.

Fast zehn Jahre brauchte seinerseits der Arzt und Autor Michail Bulgakow (1891–1940) für «Der Meister und Margarita». Er schrieb das Buch zwischen 1928 und 1938, also in genauer jener Phase, in der sich der stalinistische Terror, aber auch der fast religiöse Personenkult voll ausprägten. Trotz eines überlieferten Telefonats mit Stalin, der sich überraschenderweise für eins ...

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Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt

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