Die Kunst des Widerstands
Jede irdische Macht ist Gewalt über Menschen, und die Zeit wird kommen, da es keine Cäsaren mehr geben wird. Der Mensch tritt ein ins Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, wo keine Macht mehr vonnöten sein wird.» Diese Prophezeiung trifft in Michail Bulgakows fantastisch verschachteltem Literaturmärchen «Der Meister und Margarita» ein gewisser Jeschua Ha-Nozri, in Nazareth.
Eine Romanfigur im doppelten Sinne, denn Bulgakows namenloser Protagonist, der «Meister», schreibt seinerseits eine Erzählung über den römischen Statthalter Pontius Pilatus, und der lässt eben jenen Jeschua wider besseren Wissens ans Kreuz schlagen. Das Manuskript birgt mehrfachen Sprengstoff – es behandelt religiöse Figuren und handelt von fehlbaren Herrschern: Grund genug für den Schriftstellerverband, den Meister aus dem Verkehr zu ziehen.
Fast zehn Jahre brauchte seinerseits der Arzt und Autor Michail Bulgakow (1891–1940) für «Der Meister und Margarita». Er schrieb das Buch zwischen 1928 und 1938, also in genauer jener Phase, in der sich der stalinistische Terror, aber auch der fast religiöse Personenkult voll ausprägten. Trotz eines überlieferten Telefonats mit Stalin, der sich überraschenderweise für eins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt
Will der Mensch das wirklich? Einen aufgehübschten, ewig jungen KI-Avatar für sich arbeiten lassen und sich dann selbst zu Tode langweilen? Und was ist Schönheit schon wert, wenn das «Pretty Privilege» – das Privileg, das normschönen Menschen das Leben einfacher zu machen scheint – auf alle Menschen übergeht? Will der Mensch in der durchschnittsschönen Masse...
Das Theater braucht Skandale, um sich seiner Bedeutung zu vergewissern. Nun hatte es einen, in Bochum, aber er löste sich bald auf. In der Premiere stürmten Zuschauer auf die Bühne und versuchten handgreiflich, einen Schauspieler in der Rolle eines Rechtsradikalen zum Schweigen zu bringen, in der zweiten Vorstellung gab es Zwischenrufe, in der dritten nur noch...
Ein Unbekannter kommt nach dem Dreißigjährigen Krieg ins Dorf, um sein Erbe anzutreten: ein halb eingefallenes Bauernhaus, ein Stück Land mit Acker und Wald. Der schmächtige Mann zeigt seine Papiere, erklärt knapp, warum er woanders aufgewachsen ist als sein ferner Verwandter und kaut auf einer Gewehrkugel herum, die er um den Hals trägt. Diese Kugel, erzählt er...
